Aktive Erinnerungspolitik - Lehren und Lernen über den Holocaust

Dem österreichischen Bildungswesen kommt im gesellschaftspolitischen Diskurs über die Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust - neben Massenmedien, Museen und Gedenkstätten - eine besondere Rolle zu. 

Verein _erinnern.at_

Das vom Bildungsministerium im Jahr 2000 etablierte Projekt _erinnern.at_ -  Nationalsozialismus und Holocaust: Gedächtnis und Gegenwart unterstützt das Lernen und Lehren über Nationalsozialismus und Holocaust im österreichischen Bildungswesen (seit 2007 als Verein). 

_erinnern.at_ präsentiert sich heute als national und international renommierte Bildungsorganisation zu Nationalsozialismus und Holocaust. 

Damit erfüllt das BMB auch internationale und zwischenstaatliche Vereinbarungen und Verpflichtungen:

  • Memorandum of Understanding der Republik Österreich mit dem Staat Israel über die Zusammenarbeit im Bereich Bildung, Wissenschaft und Kultur,
  • Memorandum of Understanding des BMBF mit der israelischen Gedenk- und Forschungsstätte Yad Vashem
  • International Holocaust Remembrance Alliance, IHRA

_erinnern.at_ ist in folgenden Feldern aktiv:

  • in der österreichweiten LehrerInnenfortbildung
  • in ZeitzeugInnen-Seminaren für österreichische Lehrerinnen und Lehrer (seit den 1970er-Jahren)
  • in der Vermittlung und Begleitung von ZeitzeugInnen in Schulen
  • in der Entwicklung von Lehr- und Lernmaterialien
  • in der Entwicklung der pädagogischen Arbeit in der Gedenkstätte Mauthausen
  • in der Organisation eines kritischen Diskurses über Schulbücher
  • Initiativen zum österreichischen Gedenktag an die Opfer von NS und Holocaust am 5. Mai
  • im internationalen Kontext: Kooperation mit renommierten Partnern wie Anne Frank Haus Amsterdam, Office for Democratic Institutions and Human Rights der OSZE, Spielberg-Foundation, Europarat, UNESCO, Mémorial de la Shoah, IHRA, Yad Vashem

Die 4 Module des Projekts:

1. Seminare für österreichische LehrerInnen in Yad Vashem

Auf Grundlage von bilateralen österr.-israelischen Memoranda of Understanding on Cultural and Educational Cooperation finden seit dem Jahr 2000 jährlich zwei LehrerInnen-Fortbildungsseminare an der International School for Holocaust Studies in Yad Vashem statt. Die Seminare haben ihren Schwerpunkt in der Gedenkstätte Yad Vashem, beziehen aber auch andere israelische Holocaust Gedenkstätten (z. B. das Center for Humanistic Education in Lohamei HaGetaot) ein. Das Seminarangebot richtet sich an LehrerInnen und an ErwachsenenbildnerInnen, die in der Vermittlung von Nationalsozialismus und Holocaust tätig sind. Die AbsolventInnen sollen in der Folge als MultiplikatorInnen wirken und ihre Kenntnisse und Erfahrungen in ihrer täglichen Arbeit und in Folgeveranstaltungen, regionalen Seminaren, schulinternen Fortbildungsveranstaltungen sowie im Rahmen des österreichweiten Netzwerks von _erinnern.at_ nutzbar machen.
Das Seminardesign wurde von _erinnern.at_ in Kooperation mit der International School for Holocaust Studies in Yad Vashem schultypen- und fächerübergreifend konzipiert.

2. Das "Zentrale Seminar”

Das Zentrale Seminar ist eine jährliche mehrtägige Veranstaltung an der Schnittstelle Schule/Wissenschaft, an der VertreterInnen der relevanten wissenschaftlichen Fachgebiete (Geschichtsforschung, Literaturwissenschaft, Soziologie etc.) LehrerInnen, DidaktikerInnen, SchulbuchautorInnen sowie Studierende teilnehmen. Ziel ist es, in aktuellen wissenschaftlichen wie auch notwendigen grundsätzlichen Debatten einen angemessenen Umgang im österreichischen Bildungswesen mit dem Thema „Nationalsozialismus und Holocaust“ zu erarbeiten.

3. Die regionalen Netzwerke

In jedem Bundesland ist ein Netzwerk etabliert, das engagierte und interessierte Institutionen und Personen auf der regionalen Ebene vernetzt 
Aufgaben:

  • Die notwendigen Ansätze und Initiativen im Bundesland entwickeln und anknüpfend an die Lehrpläne der Schulen in enger Zusammenarbeit mit den Pädagogischen Hochschulen Angebote für LehrerInnen-Fortbildung schaffen
  • Unterrichtsmaterial mit Bezug zum regionalen kulturellen bzw. politischen Umfeld der Schulen für LehrerInnen bereitstellen und Nationalsozialismus und Holocaust als integralen Bestandteil der Regional- bzw. "Heimat"-Geschichte verankern
  • Zentrale regionale Literatur erschließen
  • relevante Institutionen (Archive, Bibliotheken, Gedenkstätten...) für Lernen und Lehren nutzen.

Jährlich finden zwei Treffen der RegionalkoordinatorInnen zum Erfahrungsaustausch und zur Planung von Aktivitäten statt.

4. Die Website www.erinnern.at

Die Website ist die Wissens- und Kommunikationsplattform des Projekts. Die Bibliothek sowie die einzelnen Seminarbibliotheken enthalten eine Vielzahl von Materialien sowie Lern- und Lehreinheiten.

Lehrmaterialien sind etwa in Form von DVDs („Das Vermächtnis“ und „Neue Heimat Israel“ inkl. Website), einer Wanderaustellung für Schulen („Darüber sprechen“) sowie Heften („Ein Mensch ist ein Mensch – Rassismus, Antisemitismus und sonst noch was…“; inklusive Onlinematerialien) zur Hilfestellung entwickelt. DVDs und Ausstellung enthalten Interviews und Lebensgeschichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, wodurch eine Auseinandersetzung mit diesen Lebensgeschichten nachhaltig möglich ist. Die _erinnern.at_ Jugend-Sachbuchreihe „Nationalsozialismus in den österreichischen Bundesländern“ (Tirol, Vorarlberg, Steiermark, Kärnten, Oberösterreich, Burgenland und Salzburg) bietet gut lesbare regionale Zugänge. Bei allen Lehr- und Lernmaterialien wird besonderes Augenmerk auf die Relevanz für die Gegenwart gelegt. 

Von besonderer Bedeutung sind internationale Vernetzung und daraus resultierende Kooperationen.

_erinnern.at_ ist Partner in vielen internationalen Projekten und Diskussionen mit etwa Mémorial de la Shoah/Paris, Spielberg-Foundation (USC Shoah Foundation Institute) L.A., Association of Holocaust Organizations (AHO) USA, OSZE/ODIHR, ER, Anne Frank Haus/Amsterdam, CeDIS FU Berlin, Yad Vashem/Israel, Lohamei haGettaot/Israel, International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). 

Aktuelle Projekte / Kooperationen 

„Stories that move“

Europäische Online-Plattform gegen Antisemitismus und Rassismus
Beteiligung an einem durch europäische Mittel finanzierten Projekt (Lead Anne Frank House, Amsterdam)

Roma-Sinti-Genocide.eu

Internetbasiertes Unterrichtsmaterial über den Genozid an den europäische Roma und Sinti (im Auftrag des BMB: Kooperation mit Mémorial de la Shoah, der International Holocaust Remembrance Alliance; neue Sprachfassungen Schwedisch sowie slawische Sprachen und Romanes).
romasintigenocide.eu

Forschungsprojekt „ZeitzeugInnen-Videos“ im Schulunterricht

Kooperation mit den Universitäten Innsbruck, Göttingen, FU Berlin, der Pädagogischen Hochschule Luzern und der FH Vorarlberg; Entwicklung einer App-basierten Unterrichtseinheit zu „Vor dem Holocaust fliehen“ (mit vier ZeitzeugInnen-Videos).

I-Witness

Entwicklung von deutschsprachigen Lernmodulen im D-A-CH-Zusammenhang für die vom USC Shoah Foundation Institute betriebene Lern-Plattform.

Pädagogischer Gebrauch von ZeitzeugInnen-Interviews (Konferenz und Publikation)

Für die deutsche Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) und finanziert von dieser veranstaltete _erinnern.at_ im Jänner 2017 eine internationale Konferenz in Wien, sammelte die Konferenzbeiträge und bereitet derzeit eine Publikation vor (3. Band einer EVZ-Publikationsreihe).

Pädagogische Materialien zur Verflechtung der Geschichte des Nationalsozialismus mit der Geschichte des Nahen Ostens

_erinnern.at_ hat dafür den Zuschlag für ein von der EVZ mit € 150.000.- ausgeschriebenes Projekt erhalten. (Kooperation mit Anne Frank Zentrum Berlin sowie Center for Humanistic Education Lohamei Hagetaot/Israel; Projektbeginn: Mitte 2017.)

„uploading Holocaust“

_erinnern.at_ ging eine Partnerschaft mit dem ORF sowie der Filmproduktion Gebrüder Beetz ein. Es entstand eine Online-Lernseite zur Begleitung eines gleichnamigen israelischen Films, welcher auf von Jugendlichen produzierten You-tube-Videos im Anschluss an den Besuch der Gedenkstätte Auschwitz basiert: #uploading_holocaust (Laufzeit bis Mitte 2017).

Österreichisch-israelischer Schulbuchvergleich

Dazu wurde in Kooperation mit der Schulbuchabteilung des BMB 2016 ein Konzept entwickelt, das 2017/18 realisiert wird.

Seminar von Yad Vashem in Österreich

Graduate seminar of International School for Holocaust Studies, Yad Vashem, at the Jewish Museum of Hohenems, Austria (31.3.-2.4.2017); Kooperation mit ISHS und Jüdisches Museum Hohenems

Österreichische ZeitzeugInnen-Plattform

_erinnern.at_ entwickelt als Beitrag zum Gedenkjahr 2018 eine neue, einheitliche österreichische Online-Plattform für Zeitzeugnisse unter dem Namen „Zeugnisse für die Zukunft“. Ziel ist die Schaffung eines zeitgemäßen, auf dem neuesten Stand der technischen Entwicklung befindlichen Angebots, das die Erfahrungen für die ZeitzeugInnen-Gneration nachhaltig bewahrt und für den Unterricht erschließt. Kooperationspartner ist der Nationalfonds der Republik Österreich.

Im internationalen Kontext ist gerade die pädagogische Diskussion im Rahmen der International Holocaust Remembrance Alliance, IHRA, der Österreich 2001 beigetreten ist, wichtig. _erinnern.at_ spielt hier in der Education Working Group und im Komitee über den Völkermord an den europäischen Roma und Sinti eine führende Rolle.

Das BMB und _erinnern.at_ sind Mitglied der österreichischen IHRA-Delegation.
Seit Mai 2016 leitet das BMB den Vorsitz der Roma-Genozid Arbeitsgruppe. 

Geändert am: 29.12.2017

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