Hammerschmid: „Bildungspläne von ÖVP und FPÖ machen Österreich zu internationalem Schlusslicht"

Bildungsministerin ist nach Präsentation der geplanten Maßnahmen von Ahnungslosigkeit der Verhandlungspartner schockiert

„Dass ÖVP und FPÖ bei der Bildung den Rückwärtsgang einlegen werden, hat sich in den vergangenen Wochen bereits abgezeichnet. Es macht mich allerdings fassungslos, wie wenig die Verhandlungspartner offensichtlich von den Bedürfnissen unserer Lehrer und Schüler wissen und wie inhaltsleer das präsentierte Paket ist”, so Bildungsministerin Sonja Hammerschmid angesichts der von Sebastian Kurz (ÖVP) und Heinz-Christian Strache (FPÖ) präsentierten Ergebnisse der Regierungsverhandlungen zum Thema Bildung.

Geradezu entlarvend sei, dass die Verhandlungspartner offensichtlich die Wiedereinführung von verpflichtenden Ziffernnoten in der Volksschule tatsächlich für das dringlichste Problem halten. Erst im Schuljahr 2016/17 habe man Volksschulen ermöglicht, in Abstimmung mit den Eltern selbst darüber zu entscheiden, ob sie Noten oder eine Leistungsbeschreibung anwenden wollen. „Durch die fortlaufende Dokumentation der alternativen Leistungsbeurteilung kann auf Lernschwächen rasch und präzise reagiert und Begabungen frühestmöglich gefördert werden”, erklärt Hammerschmid. “Erfolgreiche Bildungssysteme weltweit arbeiten längst an der Weiterentwicklung solcher kompetenzorientierter Beurteilungen. In Österreich arbeiten die Verhandlungspartner von ÖVP und FPÖ lieber daran, jede Innovationskraft im heimischen Bildungssystem im Keim zu ersticken”, so die Bildungsministerin.

Hammerschmid begrüßt grundsätzlich, dass der Kindergarten stärker als Bildungseinrichtung begriffen werden soll, fragt sich allerdings, was genau die ÖVP in den letzten Jahren daran gehindert hat, dies umzusetzen. “Ich habe seit meinem Amtsantritt immer wieder gefordert, stärkeres Augenmerk auf den Kindergarten zu legen. Leider bin ich bei der ÖVP immer auf taube Ohren gestoßen. Der plötzliche Sinneswandel überrascht mich”, so die Bildungsministerin. Die Einführung eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres sei bereits im rot-schwarzen Regierungsprogramm enthalten gewesen, das ÖVP-geführte Familienministerium habe allerdings auch hier durchgehend blockiert. “Der nun vorgelegte Vorschlag bedeutet einen Rückschritt, denn er umfasst nur einen Teil der Kinder. Wer entscheidet, welches Kind 'es nötig hat' - so die Diktion von Kurz und Strache - und welches nicht? Vom verpflichtenden zweiten Kindergartenjahr müssen alle profitieren. Kein Kind darf zurückgelassen werden”, meint Hammerschmid.

Eine weitere geplante Maßnahme von ÖVP und FPÖ, die sogenannte Bildungspflicht, bedeutet de facto eine flexible Verlängerung der derzeit gültigen Schulpflicht. Das Konzept, wonach Jugendliche nach Vollendung der achten Schulstufe so lange weiter die Schule besuchen, bis sie die Bildungsstandards erfüllen, ist in den Augen der Bildungsministerin weder pädagogisch noch hinsichtlich der Finanzierung durchdacht. „Erst im Juli diesen Jahres ist die AusBildungspflicht bis 18 Jahre in Kraft getreten. Diese Maßnahme garantiert, dass Jugendliche bis zur Volljährigkeit in die Lage versetzt werden, erfolgreich in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Wir müssen diese Maßnahme jetzt wirken lassen, alles andere ist absolut kontraproduktiv”, ist Hammerschmid überzeugt.

Zu den Plänen von ÖVP und FPÖ, Volksschulkinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse in gesonderten Klassen zu unterrichten, sagt Sonja Hammerschmid: "Für Kinder, die im Schulalter noch Schwierigkeiten mit der Sprache haben, haben wir ein pädagogisch sinnvolles System: Die Kinder werden bis zu elf Wochenstunden aus der Klasse genommen, um Deutsch zu lernen. Fächer wie Turnen, Zeichnen oder Musik haben sie aber wieder gemeinsam mit den deutschsprachigen Klassenkameraden, damit sie die Sprache auch anwenden.” Die Idee reiner Ausländerklassen hält Hammerschmid für gefährlichen Populismus: “Wir können doch von Kindern nicht auf der einen Seite erwarten, dass sie sich integrieren und die Sprache lernen, und sie dann auf der anderen Seite ausgrenzen und wegsperren.”

Irritierend findet die Bildungsministerin, wie undurchdacht die vorgestellten Maßnahmen sind: “Herr Kurz und Herr Strache haben den Wahlkampfmodus offenbar noch nicht ausgeschalten. Außer Schlagwörtern und Plattitüden scheint in den Arbeitsgruppen noch nichts entstanden zu sein. Fakten und Sachkenntnis scheinen dabei keine Rolle gespielt zu haben”, so Hammerschmid. “Erfreulich finde ich, dass man bei der Bildung jetzt doch nicht sparen will. Wie die Lücke von 600 Mio. Euro im Bildungsbudget für das Jahr 2018 geschlossen werden soll, konnten uns die Verhandler aber leider auch nicht erklären”, so Hammerschmid.

Abschließend sei es Hammerschmid wichtig, Herrn Kurz und Herrn Strache zu beruhigen: “Ich kann Ihnen versichern, dass unsere Lehrpläne laufend von Praktikern und Experten modernisiert und aktualisiert werden. Politische Bildung und unternehmerische Schwerpunktsetzungen sind längst in der Schule angekommen und -glauben Sie mir, meine Herren: Unsere Pädagoginnen und Pädagogen wissen sehr genau, wie Kinder zu Leistung motiviert werden können.”

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Wien, 28. November 2017

Geändert am: 28.11.2017

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