Berufsbildende Pflichtschule (Berufsschulen)

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Allgemeines

Die Berufsbildende Pflichtschule, in Folge Berufsschule genannt, bildet einen der zwei Lernorte in der Dualen Ausbildung.

Die Berufsschule hat die Aufgabe in einem berufsbegleitenden, fachlich einschlägigen Unterricht berufsschulpflichtigen Personen in Lehr- oder Ausbildungsverhältnissen, während ihrer Ausbildung die grundlegenden theoretischen Kenntnisse zu vermitteln, die betriebliche oder berufspraktische Ausbildung zu fördern und zu ergänzen sowie die Allgemeinbildung zu erweitern.

Berufsschulpflicht

Berufsschulpflicht bedeutet, dass alle Personen, die einen Lehr- oder Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben, eine facheinschlägige Berufsschule besuchen müssen.

Dauer

Die Berufsschule umfasst so viele Schuljahre, wie es der Dauer des Lehrverhältnisses entspricht. Je nach Lehrberuf beträgt die Zeit der Ausbildung zwei bis vier Jahre, in der Regel jedoch drei Jahre.

Organisationsformen

Der Unterricht in der Berufsschule kann in folgenden Organisationsformen geführt werden: ganzjährig d.h. mindestens an einem vollen Schultag oder mindestens zwei halben Schultagen in der Woche; lehrgangsmäßig, d.h. mindestens acht Wochen hindurch oder saisonmäßig, d.h. auf eine bestimmte Jahreszeit geblockt. Die Vielfalt der Organisationsformen geht auf die Abstimmung zwischen der Wirtschaft und den Schulverantwortlichen zurück und berücksichtigt den Bedarf der einzelnen Branchen bzw. Regionen sowie die Anzahl der Lehrlinge. Lehrgangsmäßiger Unterricht findet z.B. bei allen zentral eingeschulten Lehrberufen statt.

Lehrberufe

Derzeit wird berufsschulischer Unterricht für rund 200 Lehrberufe angeboten. Davon werden 71 Lehrberufe zentral, d.h. in nur einem Bundesland, eingeschult. Spitzenreiter sind dabei Wien mit 20 zentral zu beschulenden Lehrberufen, gefolgt von Oberösterreich mit 12 sowie von Niederösterreich und der Steiermark mit je 11. Für 24 Lehrberufe wird die berufsschulische Ausbildung in allen Bundesländern angeboten. Vielfältig sind die „Lehrberufsarten“: Es gibt Einzellehrberufe, Doppellehrberufe, Schwerpunktlehrberufe, Gruppenlehrberufe sowie Modullehrberufe, die sich über alle Sparten der Wirtschaft, d.h. Gewerbe und Handwerk, Industrie, Handel, Bank und Versicherung, Transport und Verkehr, Tourismus und Freizeitwirtschaft sowie Information und Consulting erstrecken.

Zu den häufigsten Lehrberufen bei Berufsschülerinnen zählen die Lehrberufe Einzelhandel, Bürokauffrau, Friseurin und Perückenmacherin (Stylistin), Restaurantfachfrau und Köchin.

Zu den häufigsten Lehrberufen bei Berufsschülern gehören die Lehrberufe Metalltechnik, Elektrotechnik,  KFZ-Technik, Einzelhandel sowie Installations- und Gebäudetechnik.

Die lernortübergreifende und partnerschaftliche Zusammenarbeit aller an der Berufsausbildung Beteiligten ist einer der wesentlichen Faktoren für den Erfolg des dualen Systems. Eine moderne Berufsausbildung erfordert eine enge Verbindung von Theorie (Berufsschulunterricht) und betrieblicher Praxis.

Lehrabschlussprüfung / Berufsreifeprüfung

Hat der/die Berufsschüler/in das Unterrichtsziel der letzten Klasse der Berufsschule erreicht, so besteht die Lehrabschlussprüfung „nur mehr“ aus dem Praxisteil. Personen, die nach der Lehrabschlussprüfung beispielsweise Zugang zu einem Universitätsstudium haben möchten, können diesen über die Ablegung der Berufsreifeprüfung erlangen. Diese besteht aus vier Teilprüfungen (Deutsch, Mathematik, Lebende Fremdsprache, Fachbereich).

Berufsmatura: Lehre mit Reifeprüfung

Im Rahmen der Initiative des Bildungsressorts „Berufsmatura: Lehre mit Reifeprüfung“ gibt es für Lehrlinge die Möglichkeit, während der Lehrzeit die Vorbereitungskurse zur Berufsreifeprüfung zu besuchen, wobei bereits drei Teilprüfungen während der Lehrzeit abgelegt werden dürfen und die letzte Teilprüfung nach Vollendung des 19. Lebensjahres. Für die Vorbereitungskurse und Prüfungen zur Berufsmatura fallen für Lehrlinge keine Kosten an.

Berufsausbildung gemäß § 8 b BAG (ehemals Integrative Berufsausbildung) 

Berufsausbildung gemäß § 8b BAG wird sowohl als Lehrausbildung mit einer verlängerten Lehrzeit (Verlängerung um ein, maximal um zwei Jahre) als auch als Berufsausbildung, die Teilqualifikationen vermittelt, angeboten.

Mit dem Angebot der Teilqualifikation eröffnet sich die Möglichkeit einer maßgeschneiderten Ausbildung, mit der gezielt auf die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse eingegangen werden kann. Ausbildungsorte sind Ausbildungsbetriebe oder besondere selbstständige Ausbildungseinrichtungen sowie Berufsschulen (Pflicht bzw. Recht zum Besuch der Berufsschule). 

Geändert am: 01.12.2016

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