Die Neue Mittelschule

Die Neue Mittelschule ist seit 1. September 2012 eine gesetzlich verankerte Regelschule. Seit dem Schuljahr 2015 sind alle ehemaligen Hauptschulen österreichweit Neue Mittelschulen.

Aufgabe der Neuen Mittelschule

Die Neue Mittelschule hat die Aufgabe, die SchülerInnen je nach Interesse, Neigung, Begabung und Fähigkeit für den Übertritt in weiterführende mittlere und höhere Schulen zu befähigen sowie auf das Berufsleben vorzubereiten. 

Ziel ist es, jede Schülerin und jeden Schüler im Sinne der Chancengerechtigkeit bestmöglich individuell zu fördern. Durch eine fundierte Bildungs- und Berufsorientierung erhalten Schülerinnen und Schüler aufbauend auf ihre Stärken gezielte Beratung, um eine verbesserte Bildungs- und Berufsentscheidungen am Ende der NMS sicher zu stellen.

Organisation

Grundsätzlich werden in der Neuen Mittelschule alle SchülerInnen in allen Unterrichtsgegenständen gemeinsam in der Klasse unterrichtet. Das heißt, es gibt keine Leistungsgruppen in den Fächern Deutsch, Lebende Fremdsprache und Mathematik mehr.

Pädagogisches Konzept

Folgende pädagogische Maßnahmen zur inneren Differenzierung des Unterrichts und Individualisierung des Lernens sind gesetzlich vorgesehen:

  • Zwei Lehrpersonen unterrichten in einer Klasse gemeinsam – in den Fächern Deutsch, lebende Fremdsprache und Mathematik wird so die individuelle Förderung der SchülerInnen effektiv umgesetzt
  • Begabungs- und Begabtenförderung entlang der Stärken und Talente der Schülerinnen und Schüler
  • Individualisierter, auf die Bedürfnisse und Potenziale des Kindes angepasster Unterricht in der Klasse - das Lernen orientiert sich an den Stärken jedes einzelnen Schülers/jeder einzelnen Schülerin; Schwächen werden nicht vernachlässigt.
  • SchülerInnen mit unterschiedlichem Lerntempo unterstützen einander und profitieren von einander
  • Förderung in zeitlich begrenzt und flexibel gebildeten SchülerInnengruppen – nicht alle SchülerInnen müssen gleichzeitig dasselbe, im selben Tempo, auf die gleiche Art und Weise lernen. Überforderung und Unterforderung werden vermieden
  • Maßnahmen zur inklusiven Pädagogik und Diversität werden umgesetzt (z. B. durch die Führung von Mehrstufenklassen)

Die SchülerInnen übernehmen schrittweise die Verantwortung für ihr Lernen. Dabei werden sie von den Lehrerinnen und Lehrern optimal unterstützt. Damit bleibt auch die Freude am Lernen erhalten, der stete Leistungszuwachs schafft persönlichen Erfolg und Erfolg motiviert! Die Lehrpersonen gestalten gemeinsam im Team und individuell bestmögliche Lernbedingungen für alle Schülerinnen und Schüler.

Neue Wege der Rückmeldung

Zusätzlich zur Beurteilung mit Ziffernnoten werden durch die folgenden besonderen Elemente Stärken, Fähigkeiten und Talente der SchülerInnen in den Mittelpunkt gerückt:

  • Ergänzende differenzierende Leistungsbeschreibung (EDL)
    Für jede erfolgreich absolvierte Schulstufe erhält die Schülerin/der Schüler zusätzlich zum Jahreszeugnis eine ergänzende differenzierende Leistungsbeschreibung, die individuelle Stärken sichtbar werden lässt.
  • Kinder-Eltern-LehrerInnen-Gespräche (KEL-Gespräche)
    KEL-Gespräche sind Kinder-Eltern-Lehrpersonen-Gespräche, die zumindest einmal im Jahr stattfinden. Schülerinnen und Schüler führen mit ihren Eltern und LehrerInnen gemeinsam ein Gespräch über Lernerfolge, Lernfortschritte und Lernprozesse. Die Kinder werden auf diese Form der Rückmeldung in der Schule vorbereitet. Die KEL-Gespräche stärken das Verantwortungsbewusstsein der SchülerInnen und sorgen darüber hinaus für ein wertschätzendes Schulklima.

Leistungsbeurteilung

In der NMS gibt es eine neue Form der Leistungsbeurteilung. Ziel ist es, den Kindern  Zeit für ihre Entwicklung zu geben und ihre Stärken, Begabungen und Talente längerfristig zu beobachten.

  • 1. und 2. Klasse der NMS (5. und 6. Schulstufe)
    Das Notensystem wird wie in der Volksschule mit der 5-teiligen Notenskala in allen Unterrichtsgegenständen fortgeführt.
  • 3. und 4. Klasse der NMS (7. und 8. Schulstufe)
    In Deutsch, Lebende Fremdsprache und Mathematik erfolgt die Beurteilung nach den Bildungszielen einer vertieften oder grundlegenden Allgemeinbildung. 
    Die Beurteilung nach dem Bildungsziel der vertieften Allgemeinbildung entspricht der Beurteilung an der AHS-Unterstufe und wird im Zeugnis mit dem Zusatz „vertiefte Allgemeinbildung“ ausgewiesen.

Ein Beispiel:
Ein „Befriedigend“ in Deutsch mit dem Zusatz „vertiefte Allgemeinbildung“ ist ident mit einem „Befriedigend“ in Deutsch an einer AHS-Unterstufe. Eine negative Beurteilung nach dem Bildungsziel der vertieften Allgemeinbildung gibt es nicht, da in diesem Fall die Schülerin/der Schüler entsprechend dem Bildungsziel der grundlegenden Allgemeinbildung beurteilt wird.

Berechtigungen

Der Wechsel von einer Neuen Mittelschule (NMS) in eine höhere Klasse der AHS-Unterstufe setzt bei Übertritt nach erfolgreichem Abschluss der ersten und zweiten Klasse voraus, dass die Beurteilung in den Gegenständen Deutsch, Lebende Fremdsprache und Mathematik nicht schlechter als „Sehr gut“ oder „Gut“ ist.

Nach erfolgreichem Abschluss der dritten Klasse NMS ist Voraussetzung, dass in allen Fächern, die eine Gliederung in „grundlegende“ und vertiefte“ Allgemeinbildung aufweisen, nach den Anforderungen der vertieften Allgemeinbildung beurteilt wurde. Ein Übertritt in eine höher bildende Schule ist auch möglich mit einer Beurteilung entsprechend dem Bildungsziel einer grundlegenden Allgemeinbildung, sofern die Klassenkonferenz der Neuen Mittelschule die AHS-Eignung feststellt. In allen anderen Fällen ist eine Aufnahmeprüfung abzulegen.

Übertritt in eine höhere Schule 
(mit Matura, z.B. AHS-Oberstufe, HTL, HAK, BORG, HLW …)

Eine Benotung in Deutsch, Lebende Fremdsprache und Mathematik mit dem Zusatz „vertiefte Allgemeinbildung“ im Abschlusszeugnis der NMS bedeutet, dass der/die SchülerIn automatisch zum Besuch einer höheren Schule berechtigt ist. 

Wenn in einem dieser Gegenstände das Ziel der vertieften Allgemeinbildung nicht erreicht wurde, die Klassenkonferenz jedoch feststellt, dass der Schüler/die Schülerin auf Grund der sonstigen Leistungen den Anforderungen einer höheren Schule gewachsen ist, so ist der/die SchülerIn zum Besuch einer höheren Schule berechtigt.

Pflichtgegenstände Beurteilung Zusatz*)**)
Deutsch Befriedigend Vertiefte Allgemeinbildung
Mathematik Sehr gut Vertiefte Allgemeinbildung
Englisch Befriedigend Grundlegende Allgemeinbildung

Wenn mehr als ein Fach mit dem Zusatz „grundlegende Allgemeinbildung“ beurteilt wurde, kann auch (entsprechend den bisherigen Regelungen) eine Aufnahmeprüfung in die AHS Oberstufe oder in eine berufsbildende höhere Schule abgelegt werden.

Übertritt in eine 3-jährige mittlere Schule 
(ohne Matura, z.B. Fachschule, Handelsschule)

Eine Beurteilung mit der Note „Befriedigend“ in Deutsch, Lebende Fremdsprache und Mathematik mit dem Zusatz „grundlegende Allgemeinbildung“ bedeutet, dass der/die SchülerIn automatisch zum Besuch einer 3-jährigen mittleren Schule berechtigt ist. Wenn einer dieser Gegenstände mit „Genügend“ benotet wurde, die Klassenkonferenz jedoch feststellt, dass der Schüler/die Schülerin auf Grund der sonstigen Leistungen den Anforderungen einer 3-jährigen mittleren Schule gewachsen ist, so ist der/die SchülerIn zum Besuch einer 3-jährigen mittleren Schule berechtigt.

Pflichtgegenstände Beurteilung Zusatz*)**)
Deutsch Befriedigend Grundlegende Allgemeinbildung
Mathematik Befriedigend Grundlegende Allgemeinbildung
Englisch Genügend Grundlegende Allgemeinbildung

Wenn mehr als ein Fach mit der Note „Genügend“ und dem Zusatz „grundlegende Allgemeinbildung“ beurteilt wurde, kann auch (entsprechend den bisherigen Regelungen) eine Aufnahmeprüfung abgelegt werden. 

Geändert am: 11.07.2016

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