Berufsschule (Berufsbildende Pflichtschule)

Jugendliche, die einen Lehrvertrag mit einem Lehrberechtigten (Betrieb) oder einen Ausbildungsvertrag (Ausbildungseinrichtung) abgeschlossen haben, sind verpflichtet, die Berufsschule zu besuchen. Der Fächerkanon an Berufsschulen umfasst allgemeinbildende, betriebswirtschaftliche, fachtheoretische und fachpraktische Pflichtgegenstände sowie Freigegenstände und unverbindliche Übungen.

Die Berufsschule umfasst so viele Schuljahre, wie es der Dauer des Lehrverhältnisses entspricht, also zwischen 2 und 4 Jahre, wobei der Berufsschulanteil im Rahmen der Dualen Ausbildung rund 20 – 25% der Gesamtausbildungszeit ausmacht, 75 – 80% der Ausbildung erfolgen in einem Lehrbetrieb.

Berufsschulunterricht kann in folgenden Organisationsformen angeboten werden: ganzjährig, d. h. mindestens an einem vollen Schultag oder mindestens zwei halben Schultagen in der Woche; lehrgangsmäßig, d. h. mindestens acht Wochen hindurch oder saisonmäßigd. h.  auf eine bestimmte Jahreszeit geblockt. Die Vielfalt der Organisationsformen geht auf die Abstimmung zwischen Wirtschaft und Schulverantwortlichen zurück und berücksichtigt den Bedarf der einzelnen Branchen bzw. Regionen.

Derzeit gibt es rund 200 anerkannte Lehrberufe mit Lehrberufsgruppen, die in den folgenden Sparten ausgebildet werden: Gewerbe und Handwerk; Industrie; Handel; Bank und Versicherung; Transport und Verkehr; Tourismus und Freizeitwirtschaft; Information und Consulting; Sonstige (d. h. Lehrlinge, die außerhalb des Wirtschaftsbereiches ausgebildet werden, z. B. Magistrate, Ministerien, bei Rechtsanwälten,…)

Hat der / die Berufsschüler/in die letzte Klasse der Berufsschule positiv abgeschlossen, so beschränkt sich die Lehrabschlussprüfung auf den praktischen Teil. Personen, die nach der Lehrabschlussprüfung beispielsweise Zugang zu einem Universitätsstudium haben möchten, können diesen über die Ablegung der Berufsreifeprüfung erlangen. Diese besteht aus vier Teilprüfungen (Deutsch, Mathematik, Lebende Fremdsprache, Fachbereich).

Im Rahmen der BMB-Initiative »Lehre mit Matura« gibt es für Lehrlinge die Möglichkeit, während der Lehrzeit die Vorbereitungskurse zur Berufsreifeprüfung zu besuchen, wobei bereits drei Teilprüfungen während der Lehrzeit abgelegt werden dürfen und die letzte Teilprüfung nach Vollendung des 19. Lebensjahres. Für die Vorbereitungskurse und Prüfungen zur Berufsmatura fallen für Lehrlinge keine Kosten an.

Integrative Berufsausbildung wird sowohl als Lehrausbildung mit einer verlängerten Lehrzeit (Verlängerung um ein, maximal um zwei Jahre) als auch in Form der Teilqualifikationen angeboten. Mit dem Angebot der Teilqualifikation eröffnet sich die Möglichkeit einer maßgeschneiderten Ausbildung, mit der gezielt auf die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse eingegangen werden kann. Ausbildungsorte sind Ausbildungsbetriebe oder Ausbildungseinrichtungen sowie Berufsschulen (Pflicht bzw. Recht zum Besuch der Berufsschule).

Geändert am: 12.01.2017

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