Schule 4.0. – jetzt wird’s digital

Schülerin mit Tablet Fotocredit: Peter M. Mayr

Die Welt, in der wir leben, die Art wie wir arbeiten, unsere Freizeit gestalten, miteinander kommunizieren und uns informieren, ändern sich rasant. Neue Technologien überholen sich innerhalb kürzester Zeit. Welche Innovationen bereits in zehn Jahren Teil unseres Alltags sind, ist heute kaum abzuschätzen. Wie bereiten wir uns als Gesellschaft darauf vor? Welche Fähigkeiten, welches Wissen erfordert die Arbeitswelt von morgen?

Eines steht fest: Die Zukunft ist digital. Um sie mitgestalten zu können, sind nicht nur Innovation und Kreativität wichtig, sondern auch technisches Know-how. Aufgabe der Schule ist es, unseren Kindern und Jugendlichen das nötige Werkzeug an die Hand zu geben, um auf die zukünftigen Entwicklungen und Herausforderungen vorbereitet zu sein.

Mit der Digitalisierungsstrategie „Schule 4.0. – jetzt wird’s digital“ legt das Bundesministerium für Bildung ein umfassendes Konzept vor, das die gesamte Schullaufbahn umfasst. Mit der Umsetzung der Strategie erwerben alle Schülerinnen und Schüler in Österreich digitale Kompetenzen und lernen, sich kritisch mit digitalen Inhalten auseinanderzusetzen. Dabei geht es um ein breites Portfolio an Kompetenzen: von Medienkompetenz über kritischen Umgang mit Informationen und Daten, Sicherheit im Netz hin zu Wissen über Technik, Coding und Problemlösung. 

Die Strategie besteht aus vier ineinandergreifenden Säulen. 

Säule 1: Digitale Grundbildung ab der Volksschule

In der Volksschule stehen die Medienbildung sowie der spielerische Umgang mit Technik und Problemlösung im Vordergrund. Der Schwerpunkt liegt auf der dritten und vierten Schulstufe. Alle SchülerInnen sollen nach Abschluss der Volksschule über erste digitale Grundkompetenzen verfügen und diese anwenden können. 

Maßnahmen:

Neben der Medienbildung wird nun auch die digitale Grundbildung schrittweise flächendeckend in den Lehrplänen verankert. Besonders innovative Schulen beginnen bereits mit dem nächsten Schuljahr das Modell umzusetzen. Die gesammelten Erfahrungen werden in Form von Best Practice-Beispielen und Know-how-Transfer an alle anderen Schulen weitergegeben. Die SchülerInnen erhalten einen Nachweis über ihre digitale Grundbildung in Form eines Sammelpasses. 

Sekundarstufe I

Am Ende der achten Schulstufe sollen Jugendliche informatische Grundkenntnisse sowie den Umgang mit Standardprogrammen beherrschen. Zweiter Schwerpunkt ist die Vermittlung des kritischen Umgangs mit sozialen Netzwerken, Information und Medien. Mit „digi.komp 8“ werden die Kompetenzen festgelegt, die SchülerInnen am Ende der achten Schulstufe aufweisen sollen. 

Maßnahmen:

Von der fünften bis zur achten Schulstufe wird eine verbindliche Übung „Digitale Grundbildung“ mit eigenem Lehrplan im Ausmaß von 2 bis 4 Wochenstunden eingeführt. Die Schule entscheidet autonom über die konkrete Ausgestaltung am Standort. Die Umsetzung erfolgt entweder integrativ im Fachunterricht oder in speziell dafür gewidmeten Stunden, die schulautonom festgelegt werden. Zur Überprüfung des Lernerfolgs erfolgt in der achten Schulstufe eine Messung der digitalen Kompetenzen der SchülerInnen („digi.check“). 

Säule 2: Digital kompetente PädagogInnen

Die Voraussetzung, um diese Ziele zu erreichen, sind gut ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen, die digitale Medien wirksam in ihrem Unterricht einsetzen. Sie müssen selbst digitale Kompetenzen und Medienkompetenz aufweisen, um sie den Schülerinnen und Schüler vermitteln zu können.

Diese Kompetenzen wurden im Modell „digikompP“ definiert.

Maßnahmen:

Ab Herbst 2017 erwerben alle neu einsteigenden Lehrpersonen standardisierte digitale Kompetenzen. PädagogInnen weisen ihre digitalen Kompetenzen einschließlich digitaler Fachdidaktik bis zum Ende der Berufseinstiegsphase in Form eines Pflichtportfolios nach. Es besteht aus folgenden Komponenten:

  • Digitaler Kompetenzcheck (digi.check) am Beginn der Berufseinstiegsphase
  • Absolvierung eines modularen Lehrgangs im Ausmaß von 6 ECTS für digitale Fachdidaktik innerhalb von 3 Jahren ab Schuleintritt
  • Reflexion der eigenen Lehrtätigkeit in einem digitalen Portfolio   

Es besteht die Möglichkeit, schon im Rahmen des Studiums Module vorzuziehen.  

Damit im Berufsleben stehende PädagogInnen ihre digitalen Kompetenzen erweitern können, wird der Lehrgang auch in der Fort- und Weiterbildung angeboten.

Im Rahmen der Schulautonomie werden Schulleiterinnen und Schulleiter die Möglichkeit bekommen, diese Fortbildung bei den Pädagogischen Hochschulen abzurufen und am Standort anzubieten.

Zusätzlich werden die Angebote der Virtuellen Pädagogischen Hochschule ausgebaut. 

Zur Förderung des digitalen Lernens und zur Unterstützung der österreichweiten Vernetzung der Schulen hat das Bildungsministerium an der Pädagogischen Hochschule in Oberösterreich ein Bundeszentrum eingerichtet, das am 3. Februar 2017 eröffnet wird.

Darüber hinaus wird in Kooperation mit dem BMFJ an der Pädagogischen Hochschule Wien das erste österreichische Future Learning Lab eingerichtet. Dort können LehrerInnen künftig mit digitalen Tools experimentieren und werden in deren Anwendung geschult.   

Säule 3: Infrastruktur und IT-Ausstattung

Moderne Infrastruktur ist ebenfalls eine wichtige Voraussetzung für digitale Bildung. An rund 50 Prozent der Bundesschulen ist WLAN in allen Räumen verfügbar, 96 Prozent aller Klassenräume sind an das Internet angebunden. An den Pflichtschulen verfügen derzeit 31 Prozent über WLAN, 78 Prozent der Klassenräume haben Internetzugang. 

Maßnahmen:

Das BMB hat in Kooperation mit dem BMVIT eine Breitbandoffensive für Pflichtschulen geplant. Details dazu werden im Februar 2017 vorgestellt. 

Gemeinsam mit den Schulerhaltern hat das BMB Empfehlungen für eine Basis-IT-Infrastruktur an Schulen ausgearbeitet. Sie bieten die Grundlage für einen Entwicklungsplan zum Ausbau der technischen Infrastruktur an den Schulen.

Das BMB hat darüber hinaus mit den Providern Rahmenverträge abgeschlossen. Sie bieten spezielle Konditionen für Bildungseinrichtungen, wodurch die Kosten für den laufenden Betrieb möglichst gering gehalten werden. Das Konzept wird bis Sommer 2017 fertiggestellt sein. 

Insbesondere für die Pflichtschulen ist Beratung und Service für den Auf- und Ausbau der schulischen Infrastruktur unerlässlich. Daher wird derzeit in Kooperation mit der Internetoffensive, dem BMVIT und dem Gemeindebund an einem Umsetzungskonzept gearbeitet, das den Schulen und Schulerhaltern die entsprechende Unterstützung geben soll.  

Die Ausstattung aller 86.000 SchülerInnen in der fünften Schulstufe mit Tablets und aller 84.000 SchülerInnen in der neunten Schulstufe mit Laptops ist ein mittelfristiges Ziel des Bildungsministeriums. Zunächst wird das „Bring your own device“-Konzept gestärkt, das in 35 Prozent der Bundesschulen bereits jetzt umgesetzt ist.

Darüber hinaus wird das bereits erfolgreiche Mobile Learning- Projekt mit verstärktem Fokus auf die Volksschule weiter ausgebaut. 

Säule 4: Digitale Lerntools

Um digitale Inhalte vermitteln zu können, brauchen die Pädagoginnen und Pädagogen einfachen und kostenfreien Zugang zu Lehr- und Lernmaterialien.

Durch OER (Open Educational Resources) werden Inhalte zur Verfügung gestellt und die aktive Nutzung von digitalen Medien angeregt.  

Maßnahmen:

Mit der Eduthek wird ein Portal für digitale Lehr- und Lernmaterialien geschaffen. Sie bündelt eine Vielzahl an Content- und Medienangeboten und macht sie über einen zentralen Einstieg zugänglich.

Das inhaltliche Angebot soll Lehr- und Lernmaterialien, pädagogisch empfohlene Apps und Spiele sowie innovative Tools für moderne Unterrichtsformate umfassen. Modellhafte Einsatzszenarien zeigen den Pädagoginnen und Pädagogen Beispiele auf, wie sie digitale Medien wirksam in ihren Unterricht einbeziehen können.

Fahrplan – Umsetzung

Die Ausrollung der digitalen Strategie startet im Schuljahr 2017/18. Die stufenweise Umsetzung der Strategie in der Primarstufe und Sekundarstufe I startet im nächsten Schuljahr mit einem Piloten an innovativen Schulen des eEducation-Netzwerks.

Geändert am: 22.06.2017

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