Standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung an BHS

Die neue Reife- und Diplomprüfung an berufsbildenden höheren Schulen (BHS) und den Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik und Sozialpädagogik wird mit Haupttermin 2015/16 in Kraft treten. Die gesetzlichen Grundlagen sind die Novelle zum Schulunterrichtsgesetz BGBl. Nr. 52/2010 und die Verordnung über die abschließenden Prüfungen (BGBl. Nr. BGBI. II Nr. 160/2015 vom 22. Juni 2015). In den folgenden Seiten werden wichtige Rahmenbe­din­gungen für die Reife- und Diplomprüfung beschrieben.

Warum eine neue Reife- und Diplomprüfung?

  • Die neue Reife- und Diplomprüfung ermöglicht eine Vergleichbarkeit der Leistungen unter denselben Bedingungen in ganz Österreich. Durch die Kompetenzorientierung werden länger anhaltendes Wissen und  nachhaltige Fertigkeiten generiert. Folgende Punkte sind wichtig:
  • Höchstmögliche Objektivität, Transparenz und Vergleichbarkeit von Schülerleistungen – Erhöhung der Aussagekraft von abschließenden Prüfungen im Sinne erhöhter Ergebnisverantwortlichkeit der Schulen .
  • Die standardisierte, kompetenzorientierte Reife- und Diplomprüfung wurde im Regierungsübereinkommen 2008 festgelegt und als Gesetz im Nationalrat 2010 beschlossen.
  • Sie entspricht der europäischen Standardisierung von abschließenden Qualifikationen (entsprechend dem Europäischen und nationalen Qualifikationsrahmen EQR - NQR).
  • Es gibt im gesamten Prüfungsgeschehen eine Balance zwischen freien Arbeitsformen (Diplomarbeit) und standardisierten Klausuren.
  • Es geht um nachhaltig abgesicherte Kompetenzen und zeitgemäße Formen der Qualitätssicherung.
  • Die Bestimmungen zur Reife- und Diplomprüfungen wurden gegenüber den früheren heterogenen Rahmenbedingungen vereinheitlicht.

Was sind Kompetenzen? 

  • Kompetenzen entstehen als Ergebnis erfolgreicher Lernprozesse. Sie bestehen aus zusammenhängenden Komponenten von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten und enthalten Aspekte von Erfahrung, Motivation und persönlichen Einstellungen. Sie befähigen Menschen, bestimmte Leistungen zu erbringen, d.h. Aufgaben oder Probleme in konkreten Anforderungssituationen zu bewältigen. Kompetenzen sind für die weitere schulische und berufliche Bildung – auch im Sinne des „Life Long Learning“ – von zentraler Bedeutung. Sie beziehen sich auf ein aus dem jeweiligen Lehrplan abgeleitetes fachspezifisches bzw. fachübergreifendes Kompetenzmodell.
  • „Kompetenzmodelle“ sind prozessorientierte Modellvorstellungen über den nachhaltigen Erwerb von fachbezogenen oder fächerübergreifenden Kompetenzen. Sie stützen sich auf fachsystematische sowie fachdidaktische Gesichtspunkte.
  • „Kompetenzbereiche“ sind fertigkeitsbezogene Teilbereiche eines Kompetenzmodells. Davon abgeleitet sind die „Deskriptoren“ der Bildungsstandards: „Die Schüler/innen können…“

Das Vorhandensein bzw. die Ausprägung einer bestimmten Kompetenz kann daher mit Hilfe geeigneter Problemstellungen (Aufgabenstellungen) festgestellt werden, bei denen von Schülerinnen und Schülern konkrete und beobachtbare Leistungen verlangt werden (nach Weinert F. E. [Hg.]: Leistungsmessung in Schulen. Weinheim u. Basel 2001) 


Wie sieht die neue Reife- und Diplomprüfung aus? 

Die erste Etappe der Reform der abschließenden Prüfungen an BHS wurde bereits mit der Novelle BGBl.Nr.70/2000 begonnen. Diese Reform wird den Anschluss an die internationa­len Entwicklungen (Standardisierung, Kompetenzorientierung) und europäischen Verhältnisse (EQR) bringen. Das Modell wurde gemeinsam mit  Expertengruppen aus dem AHS – und BHS-Bereich verbessert und wird nun gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung umgesetzt. 

Standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung an BHS: Übersicht Bild "Standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung an BHS: Übersicht" vergrößern

Die neue Reife- und Diplomprüfung wird aus einer verpflichtenden Diplomarbeit mit Präsentation und Diskussion, nach Wahl der Kandidat/innen 3 oder 4 Klausurarbeiten und 3 oder 2 mündlichen Prüfungen bestehen (in Summe sind also immer 7 Prüfungsteile zu absolvieren); sie soll modular aufgebaut sein; dies bedeutet, dass Kandidat/innen trotz negativer Leistung(en) im schriftlichen oder Diplomarbeitsbereich zu den mündlichen Prüfungen antreten können. Eine negative Beurteilung bei der Diplomarbeit oder den Klausuren führt zu einer Wiederholung der jeweiligen Prüfung, eine Kompensation einer negativen Klausurarbeit durch eine mündliche Prüfung ist auf Antrag der Kandidat/innen möglich. 


Diplomarbeit mit Präsentation und Diskussion 

Die neue Regelung sieht vor, dass alle Kandidat/innen aller berufsbildenden höheren Schulen eine Diplomarbeit verfassen müssen. Eine Diplomarbeit ist eine schriftlich anzufertigende Arbeit, die im Team von zwei bis fünf Kandidat/innen erstellt wird, einen gewissen Umfang hat (bis zu 80 Seiten exklusive Anhänge oder Datenblätter) und entsprechenden Qualitäts­kriterien genügt.  

Die Diplomarbeit ist Bestandteil der Reife- und Diplomprüfung und ist vor dem Antreten zu den anderen Teilprüfungen abzuschließen. Eine Präsentation und Diskussion der Diplom­arbeit ist am besten vor Beginn der schriftlichen Klausuren durchzuführen.

Die Sprache, in der die Diplomarbeit abgefasst wird, ist prinzipiell freigestellt. Allerdings wird die Abfassung auf die im jeweiligen Lehrplan unterrichteten Sprachen eingeschränkt. Die Diplomarbeit muss eine ein bis zwei Seiten umfassende englischsprachige Zusam­men­­fassung der Projektergebnisse enthalten, die als eigenständiger Beitrag publiziert werden kann. 

  • Die projekt- und praxisorientierten Arbeiten werden im letzten Jahrgang erstellt. Das Thema der Diplomarbeit wird im Einvernehmen zwischen dem Betreuer/innen- und Schüler­/innenteam am Ende des vorletzten Jahrgangs festgelegt und von der Schulbehörde erster Instanz approbiert. Der Termin für die Präsentation und Diskussion der Diplomarbeit wird auf Vorschlag der Schulleitung von der Schulbehörde erster Instanz festgelegt.  
  • Es werden bezüglich Prozess- und Projektmanagement definierte Anforderungen erstellt, die von allen BHS-Schultypen gleichermaßen eingehalten werden.
  • Die Arbeiten werden von den Kandidat/innen außerhalb des Unterrichts erstellt, aber im Rahmen von fachtheoretischen oder fachpraktischen Gegenständen des letzten Jahres unterstützt.
  • Einzelleistungen der Teamarbeiter/innen müs­sen in der schriftlichten Ausführung der Diplomarbeit  oder in einer genauen Prozessdokumentation erkennbar gemacht werden.
  • Aufgabenstellung, Struktur, Zeitplan, Beurteilungs­formen und Maßnahmen zur Qualitätssicherung sind in den jeweiligen Handreichungen bzw. Leitfäden der Schulformen zu finden. 

Diplomarbeiten, die nicht den gestellten Qualitätskriterien entsprechen, sind negativ zu beurteilen. Dann sind Ersatzthemen für die Nebentermine vorzusehen. 

Zur Beurteilung der Diplomarbeit:   

  • Als Beurteilungsgrundlagen werden Zwischenberichte, dokumentierte Leistungen des Teams, die Schlüssigkeit der Arbeit, die Endfassung und die englischsprachige Zu­sammenfassung herangezogen; die Präsentation und Diskussion der Diplomarbeit werden ebenfalls in die Beurteilung einfließen.
  • Die Prüfenden beschreiben in einem „Gutachten“ die Vorzüge und Schwächen der schriftlichen Arbeit und geben somit Auskunft über den Grad der nachzuweisenden Kompetenzen.
  • Die Gesamtbeurteilung wird nach der Präsentation und Diskussion durch die Kommission festgelegt. Die Kommission kann auch an „dislozierten“ Orten zusammentreten.
  • Eine positiv beurteilte Diplomarbeit wird mit einem Zeugnis dokumentiert und bleibt als Teil der Reife- und Diplomprüfung bestehen, auch wenn die Abschlussklasse wegen negativer Leistungen im Pflichtgegen­ständen wiederholt werden muss. 

Klausurarbeiten und mündliche Prüfungen 

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die schriftlichen und mündlichen Prüfungen an allen berufsbildenden Schulen:   

Standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung an BHS: Übersicht über Teilprüfungen

Folgende Rahmenbedingungen sind wichtig: 

  • Aufgabenstellungen, Dauer und Zeitpunkt der standardisierten Klausuren (ein Termin in ganz Österreich!) werden durch die Aufgaben und einen Erlass des Bundes­mini­steriums für Bildung bezüglich der Zeitpunkte festgelegt.  
  • Lehrer/innen korrigieren und beurteilen die Klausurarbeiten nach vorgegebenen Korrek­tur- und Beurteilungsanleitungen. Diese Anleitungen wurden mit dem Erlass BMBF 17.100/6-II/2015 verschickt. Kriterienraster und Punkteskalierungen dienen als Kor­rek­tur­hilfen. Zur Gesamtbeurteilung ist von den prüfenden Lehrenden ein verbal begründeter Beurteilungsvorschlag zu erstellen.
  • Das BIFIE Wien wurde gesetzlich mit der Erstellung von zentralen Aufgabenstellungen in Deutsch (bzw. Unterrichtssprache Slowenisch), angewandte Mathematik und  lebende Fremdsprache (Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch) vom BMBF verpflichtet.  Die Erstellung der Aufgaben ist komplex und enthält auch testpsychologische Kom­ponenten. Um immer ein gleiches Anspruchsniveau zu erzielen, werden alle Aufgaben­stellungen durch Feldtestungen „geeicht“ (vgl. dazu https://www.srdp.at/schriftliche-pruefungen/allgemeine-informationen/feldtestungen/).
  • Hat ein/e Kandidat/in im Jahreszeugnis der Abschlussklasse zwei „Nicht genügend“, so ist er/sie erst nach positiver Ablegung der Wiederholungsprüfungen im Herbst zum Antreten zu den Klausurarbeiten berechtigt. 

Das BIFIE–Wien hat Teams von Universitäts- und Schullehrenden eingesetzt, die kompetenzbasierte Aufgaben erarbeiten. Alle Aufgabenstellungen werden von Lehrenden der entsprechenden Schultypen erstellt und an Schüler/innen des letzten Jahrgangs getestet.


Deutsch

Die Aufgabenstellung in Deutsch ist für AHS und BHS identisch. 

Es werden drei Themen zur Wahl gestellt, die jeweils wieder in zwei Teilauf­gaben unterteilt werden. Ein Thema ist zu wählen und zu bearbeiten. In mindestens einem Themenstrang ist ein literarisches Thema zu bearbeiten. 

Ausgangspunkt der Aufgabenstellung bei der Klausur in Deutsch sind vorgegebene fiktionale und nichtfiktionale Texte (= Textvorlagen), die anhand vorgegebener Arbeitsanweisungen (Operatoren) zu bearbeiten sind. Praxis- und produktorientierte Textsorten stehen in Vordergrund (Textsortenkatalog siehe https://www.srdp.at/schriftliche-pruefungen/unterrichtssprachen/deutsch/).

Ein Themenpool zur Übungszwecken ist verfügbar. Beispiele für zentrale Aufgabenstellungen sind einsehbar unter https://www.srdp.at/downloads/?tx_solr%5Bfilter%5D%5B0%5D=handicaped%253Afalse&tx_solr%5Bfilter%5D%5B1%5D=subject%253A%252FUnterrichtssprachen%252FDeutsch&tx_solr%5Bfilter%5D%5B2%5D=documentType%253A%252F%25C3%259Cbungsmaterialien

Lebende Fremdsprachen

Die Aufgabenstellungen aus den lebenden Fremdsprachen werden für Englisch dem Kompetenzniveau B2 des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GERS) entsprechen. Bei einer zweiten lebenden Fremdsprache wird B1- Niveau vorgesehen. Der jeweilige Lehrplan und die Bildungsstandards der 13. Schulstufe werden die relevanten Aufgaben bestimmen.

Die Aufgaben werden in Hörverständnis („listening“; 40 Minuten, 4 Teilaufgaben), Lese­verständnis („reading“, 60 Minuten, 4 Teilaufgaben) und Schreib­kompetenz („writing“, 200 Minuten, 3 Teilaufgaben) unterteilt, sind teilweise BHS-übergreifend und teilweise schul­typenspezifisch. Auch hier ist ein situativer, handlungsbezogener Rahmen wichtig. Mitt­lerweile wurden B1- und B2-geeichte Aufgabenstellungen auf https://www.srdp.at/schriftliche-pruefungen/lebende-fremdsprachen/allgemeine-informationen/ veröf­fent­l­icht. 

Angewandte Mathematik

Die Aufgabenstellungen aus angewandter Mathematik werden in zwei Teilen gestellt, die jeweils auf den Bildungsstandards der 13. Schulstufe aufbauen. Im Teil A werden BHS-übergreifende mathematische Kompetenzen abgefragt, die folgende Handlungs­dimensionen einschließen: Operieren (und Technologieeinsatz), Dokumentieren und Interpre­tieren. Im Teil B werden kontextbezogene Aufgaben der einzelnen BHS–Fachrichtungen entwickelt, wobei die Schwerpunkte Modellieren, Transferieren und Argumentieren ange­wandt werden.

Weitere Informationen zu Mathematik sind unter https://www.srdp.at/schriftliche-pruefungen/angewandte-mathematik/allgemeine-informationen/ verfügbar.

Fachtheorie - Klausuren

Die Aufgaben werden von den Klassenlehrer/innen in Prüfungsgebieten, die sich aus Unterrichtsgegenständen der letzten Jahrgänge zusammensetzen, entwickelt und der Schulbehörde erster In­stanz zur Approbation vorgelegt. Entsprechend den Zielsetzungen der Fachrichtung bzw. des Ausbildungsschwerpunktes werden spezifische Aufgabenstellungen mit unterschiedlichen Anforderungen vorgesehen. Eine Standardisierung erfolgt nicht.   

Mündliche Prüfungen

Die mündlichen Prüfungen entsprechen über weite Strecken den bereits in der Prüfungsverordnung 2000 dargestellten Bestimmungen. Dabei soll den Schwerpunkten der Schulart, Fach­richtung und dem Ausbildungszweig Rechnung getragen werden. Es gibt nach Wahl der Kandidat/innen zwei mündliche Prüfungen (bei vier gewählten schriftlichen) oder drei mündliche Prüfungen (bei drei gewählten schriftlichen). Es wird nochmals auf oben dargestellte Tabelle „Übersicht über Teilprüfungen“ verwiesen.

Themenbereiche und Fragen

Die Lehrenden müssen die „wesentlichen Bereiche“ des jeweiligen Unterrichts­gegenstandes den Schüler/innen nachweislich (vor der Anmeldung zur Reifeprüfung) zur Kenntnis bringen; diese entstammen dem Lehrplan und werden vom Fachlehrer/innen­teams des jeweiligen Schulstandortes nach folgenden Kriterien zusammengestellt: Pro Prüfungsgebiet werden lernzielorientierte Themenbereiche ermittelt (20 bis 25). Aus diesem vollen Themenkorb werden bei der Reife- und Diplomprüfung von den Kandidaten zwei „gezogen“, ein Themenbereich wird zurückgelegt. Zu jedem Themenbereich werden von den Prüfer/innen  Fragen formuliert, die die  Kandidat/innen nach einer Vorbereitungszeit beantworten müssen. Die Vorbereitungszeit beträgt in der Regel 30 Minuten. 

Die mündlichen Prüfungen können fachgruppenbezogen organisiert sein; d.h. eine Fachgruppe wird jeweils an einem Halbtag oder Tag geprüft (Dauer und Länge einer Prüfung: 10 – 15 Minuten); die Prüfungen dürfen sich maximal über drei Tage erstrecken.  

Zur Prüfungskommission

Die Prüfungskommission ist stärker fachzentriert und deutlich kleiner als die bisherigen Prüfungskommissionen. Sie besteht aus Vorsitzende/r – Schulleiter/in (oder Abteilungsvorstand/ständin bzw. nominierte Lehrende) – Jahrgangs oder Klassen­vor­stand/ständin (oder nominierte Fachprüfer/in)  – Hauptprüfer/in (= Klassenlehrer/in; können auch zwei sein!) – fachlich versierte/r Beisitzer/in.

Bei einer Konstellation von mehreren Prüfer/innen bzw. Hauptprüfer/in und Beisitzer/in müssen diese zu einem gemeinsamen Beurteilungsvorschlag kommen (und haben daher insgesamt eine Stimme). Stimmberechtigt sind Schulleiter/in (bzw. Stellvertretung), Jahrgangs- oder Klassenvorstand/ständin und die Prüfer/innen (bzw. Beisitzer/innen) mit (zusammen) einer Stimme. Der/Die Vorsitzende/r bescheinigt das rechtmäßige Zustande­kommen der Beurteilung und den korrekten Ablauf des Prüfungsgeschehens.

Vorbereitung auf die Teilprüfungen 

Entsprechend dem Grundsatzerlass zum Projektunterricht (Zl. 10.077/5-I/4a/2001; kurz: Projekterlass) ist die Un­terrichtszeit ab dem letzten Prüfungstag bis zum Ende des Unterrichtsjahres an den letzten Klassen bzw. Jahrgängen maturaführender Schulstandorte, die die Reife­prüfung nach dem neuen Regelmodell „Reife- und Diplomprüfung an BHS“ umsetzen, als Vorbe­rei­­tung auf die Reifeprüfung zu verwenden.

Für diese Zeit ist der Lehrplan so zu interpretieren, dass ausschließlich Unterricht in den Gegenständen erteilt wird, der für die Schüler/innen für die Reifeprüfung, speziell die mündliche Reife­prüfung (auf der Basis der ausgewählten Themenbereiche) relevant ist.

Der Stundenplan kann aufrecht erhalten bleiben – oder unter teilweiser Aufhebung des Klassenverbandes bei Beibehaltung der Unterrichtsverpflichtung der unterrichtenden Lehrenden optimiert werden. Es obliegt der Schuldirektion, hier entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

Schülerinnen und Schüler, die sich in dieser Zeit auf die Reifeprüfung bzw. Reife- und Diplomprüfung vorbereiten, haben nur in den Unterrichtsstunden ihrer persönlichen Vorbereitung auf die schriftlichen und mündlichen Teilprüfungen der Reifeprüfung Anwesenheitsverpflichtung im Sinne des § 43 SchUG. In den übrigen Stunden steht es ihnen frei, die Zeit für individuelle Vorbereitungsmaßnahmen oder Gruppenarbeiten außerhalb des Unterrichts verbringen zu können.

Der Fokus der Vorbereitungen soll auf die ganzheitliche Betrachtung der gesamten kompetenzorientierten schriftlichen und mündlichen Reifeprüfung gelegt werden (ohne die abschließenden Arbeiten und deren Präsentation und Diskussion, die in dieser Zeit meist schon erledigt sind), um nachhaltige Lernprozesse zu pflegen und das Langzeitgedächtnis zu aktivieren. Daher ist auch die Zeit nach Bekanntgabe der Themenbereiche für die mündlichen Teilprüfun­gen Ende November der letzten Schulstufe innerhalb und außerhalb der Unterrichtszeit für Vorbereitungen auf die Reife­prüfung zu nutzen.

Können negative Klausurleistungen mündlich ausgebessert werden?

Negative Klausurarbeiten sind in erster Linie (im darauf folgenden Nebentermin) schriftlich zu wiederholen; das entspricht den Kompetenzmodellen.

Dennoch werden Kandidat/innen, die glauben, dass sie bei mündlichen Prüfungen besser ab­schneiden können, die Gelegenheit erhalten, sich eine negative Klausurleistung durch eine mündliche Kompensationsprüfung auszubessern. Grundsätzlich sollte eine mündliche „Kompensation“ nach folgendem Prinzip möglich sein:

  • Eine mündliche Kompensationsprüfung muss Aufgabenstellungen enthalten, die sich auf die Kompetenzen der vorangegangenen Klausurarbeit beziehen und bei standardisierten Klausurgegenständen extern erstellt werden.
  • Eine mündliche Kompensationsprüfung ist an eine im selben Termin unmittelbar vorher abgelegte Klausurarbeit gekoppelt.
  • Prüfungsdauer: Bis 25 Minuten. Die Prüfung ist vor dem/der Prüfer/in der Klausurarbeit abzulegen.
  • Ein/e Kandidat/in kann für alle negativ beurteilten Klausurarbeiten Kompensations­prüfungen ablegen, auch für die nicht standardisierten. .
  • Das Gesamtkalkül einer negativen Klausur und einer sich darauf bezogenen mündlichen Kompensationsprüfung kann nicht besser als „Befriedigend“ lauten.
  • Im Zeugnis wird das Zustandekommen einer Teilbeurteilung mittels mündlicher Kompensations­prüfung nicht speziell doku­mentiert. 

Maßnahmen für Kandidat/innen mit besonderen Bedürfnissen

Kandidat/innen, die bei der Durchführung der standardisierten Reife- und Diplomprü­fung motorisch, sin­nes­mäßig oder legasthenisch soweit beeinträchtigt sind, dass sie die standardisierte Reife­prü­fung nicht ungehindert machen können, sind von der Schuldirektion bis zum Kalender­jahres­ende bei der Schulbehörde erster Instanz zu melden (siehe Erlass BMBF 17.100/6-II/2015). 

Die Änderung der Rahmenbedingungen bezieht sich auf die Möglichkeit, mehr Zeit für die Durchführung der Prüfungsklausur zu geben oder spezielle, vor allem elektronische Hilfs­mittel, verwenden zu können. Bei Prüfungen in speziellen Umgebungen (z.B. Unterricht im Krankenhaus) sind die Bedingungen entsprechend anzupassen.

Zentrale Ansprechstelle für die weitere Vorgangsweise ist die Schulaufsicht des jeweiligen Einzugsbereiches. Wenn die Beeinträchtigung des Kandidaten/der Kandidatin durch ein medizinisches bzw. psychologisches Attest und eine Stellungnahme des jeweiligen Klassen- bzw. Jahrgangs­vor­standes dokumentiert ist, wird die Schulaufsicht eine Zusammenkunft zwischen Lehrenden der Schule, der Schuldirektion und dem BIFIE organisieren, um die Vorbereitung und die spe­zielle Durchfüh­rung der Reife­prüfung vorzunehmen. Erziehungsberechtigte bzw. die eigenbe­rechtigten Schü­ler/innen sind in die Vorbereitung miteinzubeziehen.


Wie sieht das Prüfungszeugnis aus? 

Das Reife- und Diplomprüfungs­zeug­nis wird das Gesamtkalkül der Reife- und Diplomprüfung, die Beurteilung der sieben Teilprüfungen (bei der Diplomarbeit auch die Nennung des Diplomarbeitsthemas), die Stundentafel der jeweiligen Kandidaten  sowie Zeugnisvermerke und Berechtigungshinweise enthalten. Somit ist die Bildungslaufbahn dokumentiert. Betriebe, Dienststellen, Universitäten oder Fachhoch­schu­len können sich ein klares Bild darüber machen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten ihre künftigen Arbeitnehmer/innen bzw. Student/innen mitbringen.

Stand: Jänner 2016

Geändert am: 02.01.2017

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