Analyse: Schule – Migration – Gender (2011)

Donau-Universität Krems, Department Migration und Globalisierung im Auftrag des BMUKK

Eine Sekundäranalyse (demographische Entwicklung, schulstatistische Daten und internationale Schülerleistungsvergleichsstudien) sowie eine Literaturrecherche der Donau-Universität Krems fokussiert auf geschlechts- und herkunftsspezifische Dimensionen im Schulwesen.

Durchführung: Univ.-Prof. Mag. Dr. Gudrun Biffl und MMag. Isabella Skrivanek (Donau-Universität Krems/Department für Migration und Globalisierung, Dr.-Karl-Dorrek-Straße 30, 3500 Krems) im Zeitraum von Okt. 2010 bis März 2011.

Inhalt:
Darstellung der demographischen Entwicklung und die damit verbundene laufende Steigerung des Anteils von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und einer anderen Erstsprache als Deutsch im Schulsystem. Analyse schulstatistischer Daten bez. Aufteilung von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund auf die diversen Schultypen (Sonderauswertung der Österreichischen Schulstatistik 2009/10 - Daten von Statistik Austria). Ergebnisse der internationalen Schülerleistungsvergleichsstudien PISA und PIRLS, die auch Aussagen über die Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund erlauben. Literaturrecherche (deutschsprachiger Raum mit Fokus auf Forschungsergebnissen aus Österreich). Konkrete Problemfelder im Schulwesen hinsichtlich geschlechts- und herkunftsspezifischer Dimensionen werden aufgezeigt.

Zentrale Ergebnisse:
Es besteht eine große Heterogenität der Schüler/innen mit Migrationshintergrund je nach Zuwanderungsgeneration, sozioök. Status, Migrationsauslöser oder Herkunftshintergrund. Bildungsverhalten, Schulerfolg und Berufswahl bzw. der Übergang ins Erwerbsleben wird durch sozioökomische und strukturelle Faktoren beeinflusst, ebenso durch die Einstellungen zu Geschlechterrollen, Moral, Sitten und Werte, die deutlich geschlechtsspezifisch geprägt sind. Männliche Jugendliche sind deutlich konservativer, bei weiblichen Jugendlichen ist eine starke Diskrepanz zwischen Familienorientierung und Selbständigkeitsstreben feststellbar.
Es bestehen geschlechtsspezifische Unterschiede, die für Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen gelten, jedoch bei SchülerInnen mit Migrationshintergrund tlw. stärker ausgeprägt sind: Dazu gehört die Wahl des Schultyps, die gemäß traditioneller Rollenmuster Burschen stärker in technisch-naturwissenschaftlich ausgerichtete Bildungswege und Mädchen stärker in kaufmännische, humanberufliche und soziale Ausbildungen führt. Burschen sind stärker in der Lehrlingsausbildung vertreten und erhalten in geringerem Maße als Mädchen die Hochschulreife. Gleichzeitig erhalten mehr Mädchen als Burschen keine weiterführende Ausbildung nach der Pflichtschule, sind als Hilfsarbeiterinnen tätig oder arbeitslos. Berufswünsche und Berufswahl von weiblichen und männlichen Jugendlichen sind sehr stark geschlechtsspezifisch segmentiert.
Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind in bestimmten Schultypen unter- bzw. überrepräsentiert und machen öfter die Erfahrung schulischen Misserfolgs und schneiden in ihren Leistungen bei internationalen Vergleichsstudien (wie PIRLS und PISA) schlechter ab; Burschen und Mädchen mit Migrationshintergrund laufen stärker als einheimische Jugendliche Gefahr, ohne wichtige Grundkompetenzen das Bildungssystem zu verlassen.

Endbericht (pdf, 634 KB)

Geändert am: 19.02.2015

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