Standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung an AHS

Die standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung an allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) wurde erstmals flächendeckend im Haupttermin 2014/15 durchgeführt.

Warum eine standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung? 

  • Höchstmögliche Objektivität, Transparenz und Vergleichbarkeit von Schüler/innenleistungen – Erhöhung der Aussagekraft von abschließenden Prüfungen im Sinne einer Ergebnisverantwortlichkeit
  • Europäischer Vergleich von Abschlüssen (Stichworte: EQR, NQR)
  • Qualitätssteigerung und -sicherung
  • Wissen und Kompetenzen nachhaltig absichern
  • Vereinfachung der Bestimmungen

Was sind Kompetenzen?

Sowohl in den gültigen Lehrplänen als auch im Zusammenhang mit den Bildungsstandards und der standardisierten Reife- und Diplomprüfung kommt dem Begriff „Kompetenz“ zentrale Bedeutung zu.

Schulisches Lehren und Lernen hat sich schon immer an Zielen (Bildungszielen, Lernzielen, neuerdings Bildungsstandards) orientiert. Es zielt auf die Vermittlung/den Erwerb von Fähigkeiten, Fertigkeiten, Einstellungen, Haltungen und selbstverständlich auch von Kenntnissen und Wissen ab. Kompetenz stellt die Verbindung zwischen Wissen und Können her und ist als Befähigung zur Bewältigung unterschiedlicher Situationen zu sehen. In der Diskussion ist es üblich, von Sach-, Methoden-, Sozial- und Personalkompetenzen zu sprechen, die in der Berufspädagogik als Aspekte beruflicher Handlungskompetenz verstanden werden.

Franz Weinert hat in zwei Studien (1999 und 2001) zur Definition und Auswahl von Kompetenzen Aussagen geprägt, die als Referenzdokument für das Konzept der Bildungsstandards und für die Reife- und Diplomprüfung herangezogen werden können: er unterscheidet Kompetenzen als allgemeine intellektuelle Fähigkeiten im Sinne von Dispositionen, die eine Person befähigen, in sehr unterschiedlichen Situationen anspruchsvolle Aufgaben zu meistern. Er definiert Kompetenzen als

„die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen (d.h. absichts- und willensbezogenen, Anm.) und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösung in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.“ (Weinert F. E. [Hg.]: Leistungsmessung in Schulen. Weinheim u. Basel 2001, 27 f.)

Von Kompetenzen kann dann gesprochen werden, wenn man grundlegende Zieldimensionen innerhalb eines Faches benennt, in denen systematisch und über Jahre hinweg Fähigkeiten aufgebaut werden. Die Verankerung der Tests (Abschlussprüfungen) in fachdidaktisch und psychologisch fundierten Kompetenzmodellen gewährleistet, dass die Resultate nicht zu einem bloß normorientierten Vergleich der Schülerleistungen führen, sondern dass kriteriumsorientiert gemessen wird. Sie können somit als Aussagen erworbener Kompetenzen interpretiert werden. 

Sind die AHS-Lehrpläne für zentrale schriftliche Aufgabenstellungen tauglich? 

 Die seit Herbst 2004 gültigen Lehrpläne der Oberstufe sind kompakte, zielorientierte und verbindliche Lehrpläne, bei denen die Kompetenzen, die die Schüler/innen am Ende des Ausbildungsganges an einer AHS erreicht haben sollen, angesprochen werden: Sowohl die Formulierungen im „Allgemeinen Teil“ als auch die Zielformulierungen in den „Lehrstoff“-Abschnitten beziehen sich darauf. Die Lehrpläne der AHS Oberstufe schließen somit an die (kompetenzorientierten) Lehrpläne der Unterstufe an. Folglich schließt die standardisierte und kompetenzorientierte Reifeprüfung konsequent an der Bildungsstandards-Entwicklung (4. und 8. Schulstufe) an.   

Wie werden die Lehrer/innen auf die standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung vorbereitet?

  • An den Pädagogischen Hochschulen werden laufend zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen zur Reifeprüfung abgehalten.
  • Handreichungen für alle (nicht schulautonomen) Pflichtgegenstände zur mündlichen Reifeprüfung wurden bereits auf der Homepage des Bildungsministeriums veröffentlicht. Diese Fachleitfäden haben Empfehlungscharakter für die mündliche Prüfung. Darin werden die Lehrer/innen angeleitet, wie die „lernzielorientierten Themenbereiche“ und die „kompetenzorientierten Aufgabenstellungen“ zu erstellen sind.
  • Für die „Vorwissenschaftliche Arbeit“ wurde (neben dem bereits veröffentlichten Leitfaden) eine eigene Plattform eingerichtet (www.ahs-vwa.at), die nicht nur wertvolle Informationen in Bezug auf die Arbeit selbst sowie die Präsentation und Diskussion enthält, sondern auch die Möglichkeit bietet, individuelle Fragen zu stellen und Materialien zu erhalten, die z.B. den Kompetenzaufbau der Schüler/innen unterstützen. Diese Website ist sowohl Lehrer/innen als auch Schüler/innen und Eltern zugängig.
  • Ebenso kommt den Fach-Arbeitsgemeinschaften in diesem Veränderungsprozess eine wichtige Vermittlerrolle zu.
  • In allen Bundesländern wurden an den Pädagogischen Hochschulen – wie bei den Bildungsstandards – Landeskoordinator/innen etabliert, die als regionale Schnittstelle und als Ansprechpersonen fungieren:   
Bundesland Bundeslandkoordinator/in
Wien Mag.a Elisabeth Enigl, Mag.a Ulrike Kamauf, Mag.a Petra Klacl
Niederösterreich Mag.a Eva-Maria Schnabel
Burgenland Mag.a Gerlinde Mihalits
Oberösterreich Mag. Gottfried Gurtner, Mag. Christian Kössldorfer
Salzburg Mag. Thomas KoidlProf. Mag. Erich Schön 
Tirol OStR Mag. Heiner Juen, Mag.a Sabine Hosp
Vorarlberg Mag. Thomas RothmundMag. Christoph Prugger
Steiermark Mag. Gerald HafnerMag.a Michaela Kraker
Kärnten Mag.a Barbara Prokop  

Werden Sonderformen und autonome Schwerpunkte berücksichtigt? 

Das Modell nimmt Rücksicht auf die gesetzlichen Sonderformen der AHS und auf die autonomen Schwerpunkte.

Nähere Bestimmungen wurden in die neue Reifeprüfungsverordnung aufgenommen. Es wurde festgelegt, dass eine AHS Sonderform oder ein autonomer (lehrplanmäßiger) Schwerpunkt im Rahmen der Reifeprüfung abgebildet werden muss. Die an den Standorten autonom entwickelten, laut Lehrplan der AHS mit mindestens acht Wochenstunden ausgestatteten Schwerpunkte sind entweder bei der „Vorwissenschaftlichen Arbeit“ oder bei der Klausurprüfung (als „4. Klausur“) oder der „Mündlichen Prüfung“ von den Schüler/innen bei ihrer Prüfungswahl zu berücksichtigen. Die Aufgabenstellungen für eine derartige  „4. Klausur“ (wenn sie eine „Schwerpunktklausur“ ist – zB Informatik) werden von den Lehrer/innen am jeweiligen Standort erstellt.  


Autonomie und Klausurarbeiten

Die Klausuren beziehen sich auf denjenigen Bereich des Oberstufenlehrplans, der für alle AHS-Schulformen verpflichtend ist. Unabhängig von der Anzahl der Unterrichtsstunden, liegt der Fokus in erster Linie auf den erworbenen Kompetenzen und nur sekundär auf den Inhalten. Dies wird besonders in den Fremdsprachen deutlich: Die auf den Kompetenzerwerb ausgerichteten Lernziele des Lehrplans leiten sich vom GERS (gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Fremdsprachen) ab; dieser stellt Kompetenzniveaus und nicht Inhalte in den Mittelpunkt.

Zentrale (=standardisierte) Aufgabenstellungen werden in der Unterrichtssprache (Deutsch, Ungarisch, Slowenisch, Kroatisch), in Mathematik und in den Fremdsprachen Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Latein und Griechisch entwickelt.

Alle anderen Aufgabenstellungen (=von nicht standardisierten Klausuren) bleiben weiterhin in der Verantwortung der jeweiligen Klassenlehrkraft. 


Wie sieht die Prüfungskommission aus? 

  • Bei der Vorprüfung (für alle AHS-Sonderformen, die auch bisher schon Vorprüfungen durchführten) gehören den Prüfungskommissionen der einzelnen Prüfungsgebiete als Mitglieder an: 
    1. der/die Schulleiter /in oder der/die Fachvorstand/-ständin oder ein/e von der Schulleitung zu bestellende/r Lehrer/in als Vorsitzende/r und 
    2. jene/r Lehrer/in, der/die den das jeweilige Prüfungsgebiet bildenden Unterrichtsgegenstand in der betreffenden Klasse unterrichtet hat (Prüfer/in) sowie ein weiterer vom/von der Schulleiter/in zu bestimmende/r fachkundige/r Lehrer/in (Fachvorstand/ständin). 
  • Bei der Hauptprüfung gehören den Prüfungskommissionen der einzelnen Prüfungsgebiete als Mitglieder an:
    1. der/die nach der Geschäftsverteilung des Amtes des Landesschulrates zuständige Landesschulinspektor/in oder ein/e andere/r von der Schulbehörde erster Instanz zu bestellende/r Experte/in des mittleren bzw. des höheren Schulwesens oder ein/e externe/r Fachexperte/in als Vorsitzende/r,
    2. der/die Schulleiter/in oder ein/e von ihm/ihr zu bestellende/r Lehrer/in,
    3. der/die Klassenvorstand/ständin oder, wenn es im Hinblick auf die fachlichen Anforderungen des Prüfungsgebietes erforderlich ist, ein/e von der Schulleitung zu bestellende/r fachkundige/r Lehrer/in,
    4. jene/r Lehrer/in, der/die die abschließende Arbeit betreut hat oder der den oder die das jeweilige Prüfungsgebiet der Klausurprüfung oder der mündlichen Prüfung bildenden Unterrichtsgegenstand oder Unterrichtsgegenstände in der betreffenden Klasse unterrichtet hat (Prüfer/in) und
    5. bei Prüfungsgebieten der mündlichen Prüfung sowie bei mündlichen Kompensationsprüfungen der Klausurprüfung ein/e von der Schulleitung zu bestimmende/r fachkundige/r Lehrer/in (Beisitzer/in).

Wenn für ein Prüfungsgebiet mehrere Lehrer/innen als Prüfer/innen gemäß Punkt 4 in Betracht kommen, hat der/die Schulleiter/in eine/n, wenn es die fachlichen Anforderungen erfordern jedoch höchstens zwei fachkundige Lehrer/innen als Prüfer/innen zu bestellen. Bei der Bestellung von zwei Prüfern/innen kommt diesen gemeinsam eine Stimme zu und es erfolgt dann im Fall einer mündlichen Prüfung oder einer mündlichen Kompensationsprüfung keine Bestellung eines/r Beisitzers/in gemäß Punkt 5. Wenn für ein Prüfungsgebiet kein/e fachkundige/r Lehrer/in als Beisitzer/in gemäß Punkt 5 zur Verfügung steht, hat die Schulbehörde erster Instanz eine/n fachkundige/n Lehrer/in einer anderen Schule als Beisitzer/in zu bestellen.

  • Für einen Beschluss der Prüfungskommissionen ist die Anwesenheit aller genannten Kommissionsmitglieder erforderlich. Der/Die Vorsitzende der Prüfungskommissionen stimmt nicht mit. Stimmenthaltungen sind unzulässig. Bei Prüfungsgebieten der mündlichen Prüfung sowie bei mündlichen Kompensationsprüfungen der Klausurprüfung kommt den Prüfern/innen bzw. dem/der Prüfer/in und dem/r Beisitzer/in jeweils gemeinsam eine Stimme zu. Im Falle der unvorhergesehenen Verhinderung des/der Vorsitzende/n erfolgt die Vorsitzführung durch den/die Schulleiter/in oder eine/n von diesem/r zu bestellenden Lehrer/in. Wenn ein anderes Mitglied der jeweiligen Prüfungskommission verhindert ist oder wenn die Funktion des/r Prüfers/in mit der Funktion eines anderen Kommissionsmitgliedes zusammenfällt, hat der/die Schulleiter/in für das betreffende Mitglied eine/n Stellvertreter/in zu bestellen.  

Wie sieht die standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung aus? 

Das sog. „Drei-Säulen-Modell“ wurde von einer Expert/innengruppe aus dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, den Landesschulräten und dem BIFIE (Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens) entwickelt.

Die neue Reifeprüfung besteht aus dem verpflichtenden Prüfungsgebiet „Vorwissenschaftliche Arbeit (inkl. Präsentation und Diskussion)“ (im Gesetz „Abschließende Arbeit“), den (3 bzw. 4) Klausurarbeiten und den (3 bzw. 2) mündlichen Prüfungen. Sie ist modular aufgebaut, das bedeutet, dass ein/e Schüler/in trotz negativer Leistung(en) in der ersten oder zweiten Säule zur mündlichen Prüfung antreten kann.

Das negativ beurteilte Prüfungsgebiet „Vorwissenschaftliche Arbeit“ muss mit neuer Themenstellung wiederholt werden.

Negativ beurteilte Klausuren können wiederholt werden, eine Kompensation durch mündliche Prüfungen („Kompensationsprüfungen“, bei standardisierten Klausuren mit zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen) im selben Prüfungstermin ist möglich. 

Standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung an AHS: Drei-Säulen-Modell

Säule 1: „Vorwissenschaftliche Arbeit“ (VWA) mit Präsentation und Diskussion

Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die einzelnen Maßnahmen und Bestimmungen gegeben werden. Nützen Sie die sehr umfangreiche und ansprechend gestaltete Website des Bundesministeriums für Bildung und Frauen, um sich noch konkreter zu informieren: www.ahs-vwa.at.

Ziele der VWA und ihrer Präsentation/Diskussion sind ua:

  • angemessenes Thema
  • Selbstständigkeit
  • Ursachen und Zusammenhänge aufzeigen
  • Arbeit mit Quellen und (vor)wissenschaftlichen Methoden
  • logisches und kritisches Denken
  • klare Begriffsbildung
  • sinnvolle Fragestellungen
  • Ausdrucks- Diskursfähigkeit

Die Vorwissenschaftliche Arbeit (einschließlich allfälliger praktischer und/oder grafischer Arbeiten) darf sich nicht allein in der Verarbeitung von Informationsquellen erschöpfen, sondern muss deutlich zeigen, dass die Schülerin/der Schüler imstande ist, eigene Schlussfolgerungen zu ziehen und beides - eigenen und fremden (Rechercheergebnisse, Daten, Informationen) Anteil - zu verknüpfen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei darauf, eine relevante Fragestellung zum Thema zu formulieren und diese in sachlogischer, stringenter Argumentation am Schluss zu beantworten.   


Wichtige Eckpunkte  

  • Die „Themenfindung“ zur VWA erfolgt im ersten Semester der vorletzten Schulstufe.
  • Das Thema der VWA wird im Einvernehmen zwischen Prüfer/in und Schüler/in festgelegt, die Einreichung erfolgt auf der Genehmigungsdatenbank des BMB (https://genehmigung.ahs-vwa.at/) und wird dort von der Schule zur weiteren Bearbeitung der zuständigen Schulbehörde übergeben. Die Genehmigung durch die zuständige Schulbehörde erfolgt bis spätestens Ende April des zweiten Semesters der vorletzten Schulstufe.
  • Ein/e Lehrer/in kann ein Thema ablehnen, nicht aber den/die Schüler/in.
  • Es besteht für die Schüler/innen grundsätzlich eine freie Wahl des/der Betreuers/in.
  • Die Zahl der zu betreuenden VWA pro Betreuer/in beträgt grundsätzlich drei, höchstens fünf.
  • Eine weiter gestecktes Thema („Großthema“) kann von höchstens drei Prüfungskandidat/innen bearbeitet werden („Umbrella-Themen“), wobei jedoch die Themenbereiche so weit abgegrenzt werden müssen, dass die eigenständige Leistung einer/s jeden einzelnen Prüfungskandidatin/en klar erkennbar und beurteilbar ist. So kann beispielsweise innerhalb des Großthemas „Biedermeier“ ein Thema einmal aus historischer, einmal aus germanistischer und einmal aus künstlerischer (musikalischer/bildnerischer) Sicht bearbeitet werden. Eine gemeinsame Einleitung bildet den Rahmen.
  • Das Thema wird mit einem Erwartungshorizont eingereicht.
  • Die VWA ist keinem Unterrichtsgegenstand zugeordnet, im Reifeprüfungszeugnis werden das Thema der VWA und die Beurteilung des Prüfungsgebietes angeführt sein.
  • Der/Die Prüfer/in muss jedenfalls (fach- und) sachkompetent, aber nicht unbedingt der/die unterrichtende Fachlehrer/in sein. Die Sachkompetenz für ein Thema wird höchstwahrscheinlich an der Unterrichtserteilung (zB in einem schulautonomen Pflichtgegenstand) erkennbar sein.
  • Die schriftliche Arbeit kann im Einvernehmen mit dem/der Prüfer/in auch in einer vom/von der Schüler/in besuchten lebenden Fremdsprache abgefasst werden.
  • Betreuungsgespräche:
    Das/die erste/n Betreuungsgespräch/e zwischen Lehrkraft und Schüler/in sollte/n bereits im Rahmen der Themenfindung und der Festlegung des Erwartungshorizontes stattfinden (Mögliche Inhalte: Allgemeines, Organisatorisches, „Spielregeln“, Intention, Konsequenzen bei Verwendung unerlaubter Hilfsmittel, ...).
    In der letzten Schulstufe ist vom Gesetz her eine „kontinuierliche Betreuung“ vorgesehen. Die Betreuung umfasst vornehmlich die Bereiche Aufbau der Arbeit, Arbeitsmethodik, Selbstorganisation, Zeitplan, Struktur und Schwerpunktsetzung der Arbeit. Dabei hat die Lehrkraft den Fortschritt zu beobachten und wesentliche Arbeitsfortschritte zu protokollieren.
    Vor der Präsentation und Diskussion findet ein abschließendes Betreuungsgespräch statt. Dieses Betreuungsgespräch hat einerseits bilanzierenden Charakter und bietet andererseits einen Ausblick auf die bevorstehende Präsentation bzw. Diskussion.
  • Der Arbeitsablauf sowie verwendete Hilfsmittel und Hilfestellungen werden im sog. Begleitprotokoll von der/dem Schüler/in dokumentiert. Das Begleitprotokoll ist verpflichtend der fertigen Arbeit beizulegen. 
  • Die erstmalige Abgabe der VWA (inkl. Begleitprotokoll) hat bis zum Ende der ersten Unterrichtswoche des zweiten Semesters der letzten Schulstufe in digitaler und zweifach ausgedruckter Form zu erfolgen. 
  • Umfang: Korridor von höchstens ca. 60.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen, Quellenbelegen im Text und Fußnoten), ausgenommen Vorwort, Inhalts-, Literatur- und Abkürzungsverzeichnis.
  • Der Abstract hat einen Umfang von ca. 1.000 bis 1.500 Zeichen (inklusive Leerzeichen), wobei der Gegenstand/ das Thema, die Problemformulierung und die wesentlichen Ergebnisse darzulegen sind. Der Abstract ist in englischer oder in deutscher Sprache zu verfassen.
  • Nach dem Hochladen der fertiggestellten Arbeit auf der Genehmigungsdatenbank (https://genehmigung.ahs-vwa.at) erfolgt automatisch eine Überprüfung auf Plagiate. 
  • Die zuständige Schulbehörde legt den Termin für die Präsentation und Diskussion der VWA fest. Die Dauer der Präsentation und Diskussion beträgt 10 bis 15 Minuten und soll ein Problemaufriss, nicht jedoch eine bloße Inhaltsangabe sein. Der/Die Kandidatin soll dabei seine/ihre Diskursfähigkeit, die initiative Mitgestaltung des Gespräches, seine/ihre Argumentationsfähigkeit, seine Fachkompetenz etc. unter Beweis stellen. 
  • Wurde die schriftliche Arbeit in einer lebenden Fremdsprache abgefasst, so kann die Präsentation und Diskussion auf Wunsch des Prüfungskandidaten oder der Prüfungskandidatin und mit Zustimmung aller Kommissionsmitglieder in dieser Fremdsprache abgehalten werden. 
  • Die Kommission besteht aus dem/der Vorsitzenden (ohne Stimmrecht), dem/der     Schulleiter/in, dem/der Klassenvorstand/vorständin und dem/der Prüfer/in mit jeweils einer Stimme. 

Beurteilung  

  • Das Prüfungsgebiet „Vorwissenschaftliche Arbeit“ setzt sich aus der schriftlichen Arbeit sowie deren Präsentation und Diskussion zusammen.  
  • Die Vorlage der Arbeit erfolgt an die Schulleitung, den/die Klassenvorstand/ständin und den/die Vorsitzende/n vor der Präsentation.
  • Die Gesamtbeurteilung wird nach der Präsentation und Diskussion durch die Kommission festgelegt.
  • Wenn die Abschlussklasse wiederholt werden muss, bleibt die Beurteilung der „Vorwissenschaftlichen Arbeit“ erhalten. 

Säule 2: „Klausurarbeiten“ 

Ein/e Schüler/in wählt entweder 3 oder 4 Klausurarbeiten.

3 Klausurarbeiten 4 Klausurarbeiten
  1. Deutsch
  2. Mathematik
  3. Lebende Fremdsprache (standardisiert:  EFISp): Es kann aber auch eine andere lebende (nicht standardisierte) Fremdsprache gewählt werden.

Am BG für Slowenen:

  1. Deutsch
  2. Slowenisch (standardisiert)
  3. Mathematik

Am zweisprachigen Gymnasium in Oberwart:

  1. Deutsch
  2. Kroatisch oder Ungarisch (standardisiert)
  3. Mathematik

Am „Theresianum“:

  1.  Deutsch,
  2. Latein oder Erste lebende Fremdsprache oder Zweite lebende Fremdsprache oder Dritte lebende Fremdsprache,
  3. Mathematik;
  1. Deutsch 
  2. Mathematik 
  3. Lebende Fremdsprache (standardisiert: E, F, I, Sp): Es kann aber auch eine andere lebende (nicht standardisierte) Fremdsprache gewählt werden. 
  4. Weitere (standardisierte oder nicht standardisierte) lebende Fremdsprache oder L oder G (beide standardisiert) oder DG oder Biologie/Umweltkunde oder Physik oder Musikkunde oder Sportkunde oder Musikerziehung oder Bildnerische Erziehung oder schulautonomer Gegenstand, der die Bedingungen für eine schriftliche Maturabilität erfüllt.

Am BG für Slowenen:

  1. Deutsch 
  2. Slowenisch (standardisiert) 
  3. Mathematik 
  4. lebende Fremdsprache oder am Gymnasium Latein oder am Realgymnasium Darstellende Geometrie oder, wenn von der Prüfungskandidaten oder dem Prüfungskandidaten besucht, alternativ Biologie und Umweltkunde oder Physik wenn lehrplanmäßig Schularbeiten vorgesehen sind.

Am zweisprachigen Gymnasium in Oberwart:

  1.  Deutsch
  2. Kroatisch oder Ungarisch (standardisiert)
  3. Mathematik 
  4. lebende Fremdsprache oder Latein

Am „Theresianum“:

  1. Deutsch,
  2. Latein oder Erste lebende Fremdsprache oder Zweite lebende Fremdsprache oder Dritte lebende Fremdsprache,
  3. Mathematik; 
  4. eine weitere Fremdsprache
  • Die Aufgabenstellungen in den Fremdsprachen orientieren sich an der jeweiligen Ausbildungsdauer (3,4,6 oder 8 Jahre)
  • Das BIFIE Wien wurde mit der Erstellung von zentralen Aufgabenstellungen in Deutsch (Slowenisch, Kroatisch, Ungarisch), Mathematik, lebende Fremdsprache (EFISp) sowie Latein und Griechisch gesetzlich beauftragt. Um immer ein gleiches Anspruchsniveau zu erzielen, werden alle Aufgabenstellungen durch Feldtestungen „geeicht“ (vgl. dazu https://www.srdp.at/schriftliche-pruefungen/allgemeine-informationen/feldtestungen/). 
  • Die klassenführenden Lehrer/innen korrigieren nach einem vorgegebenen Korrektur- und Beurteilungsschlüssel, danach kommen die korrigierten und beurteilten Arbeiten durch den Klassenvorstand/die Klassenvorständin zum/zur Vorsitzenden (zur Kontrolle und Bestätigung des Ergebnisses). Die Note wird kommissionell beschlossen.
  • Trennung von Wiederholungsprüfungen und Reifeprüfung: Ein/e Schüler/in mit einem (Zahlwort) „Nicht genügend“ in der Abschlussklasse ist berechtigt, vor den Klausurarbeiten im Haupttermin eine Wiederholungsprüfung in dem negativ beurteilten Gegenstand abzulegen. Wird die Wiederholungsprüfung positiv beurteilt, ist er/sie berechtigt, zu den Klausurarbeiten und in der Folge zur mündlichen Prüfung anzutreten. 
  • Ist das Kalkül der Wiederholungsprüfung negativ, kann er/sie diese im Herbst (im Rahmen der Nachtrags- und Wiederholungsprüfungen), jedenfalls vor den Klausurarbeiten im ersten Nebentermin, ablegen/wiederholen. Wurde Widerspruch gegen die nicht bestandene Wiederholungsprüfung eingebracht und ist es zeitlich noch möglich, so kann ebenfalls im Fall der Stattgebung unmittelbar danach in die Reifeprüfung „eingestiegen“ werden.
    Hat ein/e Schüler/in in der Abschlussklasse zwei Nicht genügend, so ist er/sie erst nach positiver Ablegung beider Wiederholungsprüfungen im Herbst zum Antreten zu den Klausurarbeiten berechtigt. 

Können negative Klausurleistungen mündlich ausgebessert werden? 

Negative Klausurarbeiten sind (in einem der darauf folgenden „Nebentermine“ im Herbst oder Frühjahr) schriftlich zu wiederholen; das entspricht dem eigentlichen Kompetenzgedanken.
Dennoch sollen Schüler/innen die Gelegenheit erhalten, sich eine negative Klausurleistung durch eine mündliche Kompensationsprüfung auszubessern. Eine mündliche „Kompensation“ ist nach folgendem Prinzip möglich:

  • Eine mündliche Kompensationsprüfung muss wie die Klausurprüfung mindestens zwei voneinander unabhängige Aufgaben enthalten, die sich hinsichtlich der zu überprüfenden Kompetenzen auf den für den jeweiligen Gegenstand entsprechenden Lehrplan beziehen.
  • Die Kompensationsprüfungen in den Fächern mit standardisierter Reifeprüfung werden durch das Bundesministerium für Bildung erstellt und den Schulen übermittelt.
  • Eine mündliche Kompensationsprüfung ist an eine im selben Termin unmittelbar vorher abgelegte Klausurarbeit gekoppelt. Der Termin für die mündliche Kompensationsprüfung wird bei standardisierten Prüfungsgebieten durch Verordnung festgelegt.
  • Prüfungsdauer: max. 25 Minuten, Vorbereitungszeit: mind. 30 Minuten. Die Prüfung ist vor dem/der Prüfer/in der Klausurarbeit und einem/r Beisitzer/in (+Vorsitzende/n +Klassenvorstand/ständin + Schulleitung) abzulegen.
  • Ein/e Schüler/in kann zu allen negativ beurteilten Klausuren Kompensationsprüfungen ablegen, je nach Anzahl der negativen Klausurarbeiten.
  • Das Gesamtkalkül einer negativen Klausur in Kombination mit einer mündlichen Kompensationsprüfung kann nicht besser als „Befriedigend“ lauten.
  • Die Wiederholungen müssen nicht zwingend im Herbst- bzw. Frühjahrstermin erfolgen, sondern „in einem nächsten Termin“. 

Standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung an AHS: Mündliche Kompensation negativer Klausurleistungen Modell: Mündliche Kompensation negativer Klausurleistungen
(K = Klausur; WH 1 = 1. Wiederholung im Herbst; WH 2 = 2. Wiederholung im Frühjahr; WH 3 = 3. Wiederholung im folgenden Sommertermin/Haupttermin)

Wie sehen die standardisierten Klausuren aus?

Vom Bundesministerium für Bildung wurden Universitätsinstitute beauftragt, die zusammen mit Praktiker/innen standardisierte und kompetenzorientierte Aufgabenstellungen erarbeiten. Länge der Arbeitszeit in standardisierten und nicht standardisierten Prüfungsgebieten/Klausuren:  

270 Minuten 300 Minuten 420 Minuten
Alle Fremdsprachen Unterrichtssprache
(D, U, Kr, Sl.)
Bildnerische Erziehung
Mathematik Musikerziehung/Musikkunde
Biologie und Umweltkunde
Physik
Darstellende Geometrie
Sportkunde

Mathematik

Die Klausurprüfung in Mathematik setzt sich aus zwei voneinander unabhängigen Aufgabenbereichen zusammen: den „Grundkompetenzen“ in Teil 1 und darüber hinausgehender, selbstständiger Anwendung, Vernetzung, und Reflexion von Grundkompetenzen in Teil 2.

Lebende Fremdsprachen

Die Klausurprüfung in den Lebenden Fremdsprachen setzt sich aus dem rezeptiven und dem produktiven  Kompetenzbereich mit jeweils zwei Aufgabenbereichen zusammen, wobei der rezeptive Kompetenzbereich in Lesen und Hören und der produktive Kompetenzbereich in Sprachverwendung im Kontext und Schreiben untergliedert ist.

Latein/Griechisch

Die schriftliche Reifeprüfung in Latein und Griechisch setzt sich aus einem Übersetzungs-(ÜT) und einem Interpretationsteil (IT) zusammen.

Deutsch

Die Klausur in Deutsch besteht aus drei Aufgaben, von denen eine eine literarische Themenstellung zu beinhalten hat. Eine Aufgabe ist von der/dem Kandidat/in zu wählen und vollständig zu bearbeiten. Jede Aufgabenstellung setzt sich aus zwei voneinander unabhängigen Teilaufgaben zusammen, die unterschiedliche Kompetenzen überprüfen. Beide Aufgabenstellungen werden durch eine thematische Klammer verbunden. 

Analoges gilt für Slowenisch, Kroatisch und Ungarisch als Unterrichtssprache. 

Säule 3: „Mündliche Prüfungen“   

  • Wie bei der VWA sollen bei den mündlichen Prüfungen sowohl den Interessen der Schüler/innen als auch den Schwerpunkten des jeweiligen Schulstandortes Rechnung getragen werden.
  • Je nach Anzahl der Klausuren (4 oder 3) sind 2 bzw. 3 mündliche Prüfungen aus unterschiedlichen Prüfungsgebieten abzulegen. Die bisherige Zuordnung zu Fächergruppen entfällt. 

Prüfungskommission

Vorsitzende/r – Schulleiter/in – Klassenvorstand/ständin – Prüfer/in (= Klassenlehrer/in) – fachlich versierte/r Beisitzer/in:
Prüfer/in und Beisitzer/in müssen zu einem gemeinsamen Beurteilungsvorschlag kommen (und haben insgesamt eine Stimme). Stimmberechtigt sind Schulleiter/in, Klassenvorstand/ständin und der/die Prüfer/in. Der/Die Vorsitzende/r bescheinigt das rechtmäßige Zustandekommen der Beurteilung und den korrekten Ablauf der Prüfung(en) und Prüfungsmodalitäten oder setzt die Beurteilung aus.  

Stundenanzahl /Maturabilität

Pflichtgegenstand („vertiefender“) Wahlpflichtgegenstand
eigenständige Maturabilität mind. vierstündig, muss mindestens bis zur vorletzten Schulstufe unterrichtet worden sein mind. vierstündig, muss mindestens bis zur vorletzten Schulstufe unterrichtet worden sein
schulautonom möglich möglich
Themenbereich(e) vom (Fach)lehrer/innenteam am Standort zu erstellen und von der (Fach)lehrer/innenkonferenz zu beschließen.
Sonstiges: … kann als Ergänzung zu einem (dazu gehörigen) Pflichtgegenstand herangezogen werden, wenn die erforderliche Stundengrenze nicht erreicht wird.
  • Bei zwei mündlichen Prüfungen muss die Summe der Jahreswochenstunden der beiden Gegenstände in der Oberstufe mindestens zehn Unterrichtsstunden betragen.
  • Bei drei mündlichen Prüfungen muss die Summe der Wochenstunden der drei Gegenstände in der Oberstufe mindestens 15 Unterrichtsstunden betragen.
  • Wenn zwei Pflichtgegenstände die Summe von zehn Stunden nicht erreichen (zB PuP und Chemie), dann ist eine Kombination aus Pflichtgegenstand mit „vertiefendem“ Wahlpflichtgegenstand möglich (zB Chemie, PuP – mit besuchtem Wahlpflichtgegenstand entweder aus Chemie oder PuP ).
  • Es ist jedenfalls nicht gestattet, einen vierstündigen Wahlpflichtgegenstand zu teilen (zB in 7. oder 8. Klasse).
  • Wurde allerdings ein zweistündiger Wahlpflichtgegenstand „gebucht“, um auf die im Lehrplan festgesetzte Stundenanzahl zu kommen, ist dieser für eine Ergänzung auf 10 bzw. 15 Stunden zulässig.
  • Es ist nicht zulässig, zu einem Pflichtgegenstand den dazugehörigen „vertiefenden“ Wahlpflichtgegenstand als weiteres Prüfungsgebiet zu wählen (zB GSK/PB und Wahlpflichtgegenstand GSK/PB).
aa) Wahlpflicht-
gegenstände
  • Ein 6-stündiger Wahlpflichtgegenstand „lebende Fremdsprache“ ist zur mündlichen Reifeprüfung auf dem GERS-Niveau A2 als selbstständiges Prüfungsgebiet zugelassen.
  • Informatik ist eigenständig nur im sechsstündigen Gesamtausmaß mündlich maturabel.
  • Die eigenständigen Wahlpflichtgegenstände Bildnerische Erziehung und Musikerziehung (7. und 8. Klasse) sind in Verbindung mit dem jeweiligen Pflichtgegenstand (5. und 6. Klasse) maturabel.

(Lernzielorientierte) Themenbereiche und (kompetenzorientierte) Aufgabenstellungen

So wie bisher (§ 28 Abs. 1 PO AHS) müssen die Lehrer/innen die Schüler/innen auf die „wesentlichen Bereiche“ des jeweiligen Unterrichtsgegenstandes (vor der Anmeldung zur Reifeprüfung rechtzeitig im Laufe des ersten Semesters der Abschlussklasse) hinweisen. Diese entstammen dem Lehrplan und werden vom (Fach)Lehrer/innenteam des jeweiligen Schulstandortes nach folgenden Kriterien zusammengestellt und von der (Fach)Lehrer/innenkonferenz beschlossen. Die Anzahl der Themenbereiche der mündlichen Reifeprüfung wurden im Rahmen einer Novelle der Prüfungsordnung AHS (BGBl II Nr. 264/2017, in Kraft getreten mit 29.09.2017) geändert: 

  • Pro Jahreswochenstunde in der Oberstufe sind zwei bis drei Themenbereiche, aber insgesamt (maximal) 18 (lernzielorientierte) Themenbereiche zu ermitteln (Deckelung).  
  • Der von der Fachkonferenz erstellte (und beschlossene) „Themenkorb“ hat verbindlichen Charakter. 
  • Die (Fach)Lehrer(innen)konferenz kann die Themenbereiche für einzelne Abschlussklassen oder gegebenenfalls -gruppen beschließen. 
  • Grundsätzlich sollten die Themenbereiche auf alle Schulstufen aufgeteilt werden, es ist aber durchaus möglich, einen Themenbereich auf unterschiedlichen Schulstufen zu behandeln. 
  • Die Themenbereiche haben sich an den verbindlichen Lehrplänen der Oberstufe zu orientieren, wobei alle lehrplanmäßigen Jahrgangsstufen zu berücksichtigen sind. Eine gleichmäßige Verteilung der Themenbereiche auf die einzelnen Schulstufen ist aber nicht notwendig. 
  • Aus diesem vollen Themenkorb werden bei der mündlichen Reifeprüfung vom Schüler/von der Schülerin zwei gewählt, wobei zu gewährleisten ist, dass ihr/ihm nicht bekannt ist, welche Themenbereiche sie/er gewählt hat. Diese beiden Themenbereiche sind dem/der Kandidat/in sodann vorzulegen, der/die in weiterer Folge sich für einen dieser Bereiche zu entscheiden hat.
  • Jedenfalls „zieht“ jede/r Schüler/in immer aus dem vollen Themenpool.
    Zu jedem Themenbereich sind vom Prüfer/von der Prüferin bei mehr als einem/r Prüfungskandidaten/in mindestens zwei kompetenzorientierte Aufgabenstellungen vorzubereiten. Der/Die Prüfer/in weist dem/der Kandidat/in eine kompetenzorientierte (und gegliederte) Aufgabenstellung zur Beantwortung zu. 
  • Wird ein einem Prüfungsgebiet entsprechender Unterrichtsgegenstand um einen von der Prüfungskandidatin oder vom Prüfungskandidaten besuchten (vertiefenden) Wahlpflichtgegenstand ergänzt, so ist die Anzahl der Themenbereiche aliquot zu den Stunden des Unterrichtsgegenstandes und des Wahlpflichtgegenstandes festzulegen, wobei 18 nicht überschritten werden darf.  
  • In einzelnen Unterrichtsgegenständen bzw. Fächergruppen gibt es Sonderbestimmungen in der Umsetzung (geändert mit BGBl II Nr. 264/2017, in Kraft getreten mit 29.09.2017) :
    1. Eine Ausnahme bilden die drei- und vierjährigen lebenden Fremdsprachen, Latein und Griechisch, die eine abgestufte Reduktion der Themenbereiche erfahren, weil die ersten Lernjahre vorrangig zum Spracherwerb dienen:
      Fremdsprachen Anzahl der Themenbereiche
      4–jährige lebende Fremdsprachen
      sowie Latein und Griechisch
      14 Themenbereiche
      3–jährige lebende Fremdsprachen1 12 Themenbereiche
      1Anm.: Wegen der Universitätsberechtigung ist Latein als „dreijährige Fremdsprache“ nicht maturabel.
    2. Weitere Sonderregelungen:
      Gegenstand Anzahl der Themenbereiche
      (ergänzender) Wahlpflichtgegenstand Informatik 12 Themenbereiche (bei jeder weiteren Wochenstunde in der Oberstufe zusätzlich zwei Themenbereiche)
      (vertiefender) Wahlpflichtgegenstand „Bildnerische Erziehung“ und „Musikerziehung“ 10 Themenbereiche
      Instrumentalunterricht3 6 Themenbereiche
      Bildnerisches Gestalten und Werkerziehung analog zu Instrumentalunterricht
      ReligionJe nach Lehrplan 12-18 Themenbereiche
      Anm.: 3 "Instrumentalunterricht und „Bildnerisches Gestalten und Werkerziehung" sind als eigenständige Gegenstände maturabel. Bei jeder Aufgabenstellung ist auch eine Probe des praktischen Könnens zu geben. Jedenfalls ist darauf zu achten, dass die theoretischen und praktischen Teile der Prüfung in eine Aufgabenstellung zusammengeführt werden.
  • Pro Themenbereich sind mindestens (bei mehr als einem/r Prüfungskandidaten/in) zwei Aufgabenstellungen zu formulieren, die gegliedert sein sollen.  
  • Es wird notwendig sein, dass der Raum zur Vorbereitung eines/r Schülers/in auf die mündliche Prüfung nicht der Prüfungsraum ist.  
  • Die Reihenfolge der Prüfungen kann fachweise zusammengestellt werden.  
  • Dauer einer Prüfung: 10 – 20 Min. Für jede mündliche Teilprüfung ist nicht mehr Zeit zu verwenden, als für die Gewinnung einer sicheren Beurteilung erforderlich ist.; Die maximale Prüfungszeit von 20 Minuten sollte von den Gegenständen in Anspruch genommen werden, wo eine Probe des praktischen Könnens verlangt wird (Instrumentalunterricht, Bildnerisches Gestalten und Werkerziehung). 
  • Zur Vorbereitung auf jede mündliche Teilprüfung ist eine im Hinblick auf das Prüfungsgebiet und die Aufgabenstellung angemessene Frist von mindestens 20 Minuten, in den Prüfungsgebieten „Lebende Fremdsprache“ jedoch mindestens 15 Minuten, einzuräumen. In Gegenständen der Gegenstandsgruppe der NAWI, wo experimentelle Aufgabenstellungen einfließen sollen, und in Darstellender Geometrie (wegen grafischer und praktischer Aufgabenstellungen) sollte aufgrund dieser Bestimmung die Vorbereitungszeit angemessen erhöht werden können.  

Welche Maßnahmen werden bei Schüler/innen mit Körper- oder Sinnesbehinderungen getroffen? 

Prinzipiell sei gesagt, dass nicht jeder Fall von Körper- oder Sinnesbehinderung gleich ist: Sehbehinderung ist nicht gleich Sehbehinderung, Hörbehinderung nicht Hörbehinderung. Bei den standardisierten Klausurarbeiten werden jedenfalls individuelle Lösungen unter Einbeziehung der unterrichtenden Lehrkräfte, des/der Vorsitzenden und (allenfalls) der Schulleitung und der zuständigen Schulbehörde angestrebt. Generell gilt: Kompetenzen, die aufgrund der Körper- oder Sinnesbehinderung nicht nachgewiesen werden können (zB Kompetenzbereich „Hören“ bei hörbehinderten Schüler/innen), sind nicht zu kompensieren (zB durch einen längeren Lesetext). 


Wie sieht das Reifeprüfungszeugnis aus? 

Das Reifeprüfungszeugnis weist die Stundentafel des/der jeweiligen Schülers/Schülerin in der Oberstufe auf. 

Alle Prüfungsgebiete und deren Beurteilungen werden gesondert ausgewiesen: (allfällige) Vorprüfungen, VWA, Klausuren, mündliche Prüfungen. Alternative Pflichtgegenstände, die für die Berechtigung zum Besuch von Universitäten relevant sind, können ebenfalls im Zeugnis über abschließende Prüfungen kenntlich gemacht werden. Somit ist die Bildungslaufbahn eines/r jeden Schülers/Schülerin gut dokumentiert. Abnehmende Organisationen können sich ein klares Bild darüber machen, welche Schwerpunktsetzungen gewählt wurden. 

Geändert am: 02.10.2017

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