Länger gemeinsam lernen in der 6-jährigen Volksschule
In Österreichs Schulsystem werden Kinder deutlich früher voneinander getrennt als in den meisten anderen europäischen Schulsystemen: Bereits mit zehn Jahren – nach nur vier Jahren Volksschule – müssen sie sich zwischen der AHS und der Mittelschule entscheiden. Die internationale Evidenz zeigt seit langem: Mit zehn haben viele Kinder ihr Potenzial noch nicht entfaltet und Lehrpersonen haben zu wenig Zeit, Stärken zu erkennen und zu fördern. Die Wahl der weiteren Schulform hängt daher häufig stark vom sozialen und familiären Hintergrund und weniger von den tatsächlichen Leistungen und Interessen der Kinder ab.
Mit dem Schulversuch „6-jährige Volksschule“ geben wir unseren Kindern etwas, das im heutigen System oft fehlt: Zeit – Zeit für sichere Grundkompetenzen, Zeit für individuelle Förderung, Zeit für Persönlichkeitsbildung und Zeit für faire Bildungsentscheidungen.
- Kinder sollen von 6 bis 12 Jahren länger gemeinsam lernen.
- Die Bildungswegentscheidung (Mittelschule oder AHS-Unterstufe) wird von der 4. auf die 6. Schulstufe verschoben.
- Entscheidungen sollen sich künftig stärker an den Fähigkeiten, Interessen und Entwicklungsverläufen der Kinder orientieren – und weniger an ihrer sozialen Ausgangslage.
Ab dem Schuljahr 2027/28 wird die 6-jährige Volksschule im Rahmen eines Schulversuchs an ausgewählten Standorten erprobt, wissenschaftlich begleitet und gemeinsam mit Schulen, Kindern, Eltern und Expertinnen und Experten weiterentwickelt. Die Ergebnisse bilden die Grundlage dafür, ob und wie die sechsjährige Volksschule als Teil von Plan Zukunft weiter ausgebaut wird.
Die sechsjährige Volksschule auf einen Blick
Die sechsjährige Volksschule ist ein gemeinsamer Lernort der 6- bis 12-Jährigen.
Die sechsjährige Volksschule ist in drei Grundstufen organisiert:
- Grundstufe I (1.–2. Schulstufe)
- Lehrplan der Volksschule
- Unterricht im Klassenlehrpersonensystem
- Persönlichkeitsbildung (integriert in den jeweiligen Fächern)
- Grundstufe II (3.–4. Schulstufe)
- Lehrplan der Volksschule
- Weiterhin eine zentrale Klassenlehrperson, punktuell unterstützt von Lehrpersonen der Mittelschule bzw. AHS-Unterstufe
- Persönlichkeitsbildung (integriert in den jeweiligen Fächern)
- Grundstufe III (5.–6. Schulstufe)
- Lehrplan der Sekundarstufe I
- Unterricht erfolgt überwiegend durch Lehrpersonen der Mittelschule oder AHS-Unterstufe.
- Die Volksschullehrperson bleibt mit mehreren Wochenstunden Klassenvorstand und zentrale Bezugsperson.
- Persönlichkeitsbildung wird als eigener Pflichtgegenstand mit je einer Wochenstunde pro Schulstufe unterrichtet.
Was bringt die sechsjährige Volksschule den Kindern?
- Mehr Zeit zum Lernen: Grundlegende Kompetenzen und Talente werden über sechs Jahre hinweg systematisch aufgebaut und gefördert.
- Weniger Druck: Die entscheidende Weichenstellung für den weiteren Bildungsweg erfolgt später – in einem Alter, in dem Kinder sich selbst besser kennen.
- Starke Beziehungen: Eine vertraute Lehrperson und ein stabiler Klassenverband über sechs Jahre geben Halt und Sicherheit.
- Stärkere Persönlichkeit: Kinder lernen, mit sich und anderen gut umzugehen, Konflikte zu lösen und Verantwortung zu übernehmen.
- Mehr Gerechtigkeit: Soziale Herkunft und Bildungshintergrund der Eltern sollen weniger darüber entscheiden, welche Chancen ein Kind hat.
Rahmenbedingungen für die Führung des Schulversuchs
Freiwillige Teilnahme: Nur Schulen, die sich bewusst für den Schulversuch entscheiden, steigen ein.
Kooperation vor Ort: Voraussetzung ist eine enge Zusammenarbeit zwischen einer Volksschule und einer Mittelschule bzw. AHS-Unterstufe in räumlicher Nähe.
Schrittweise Einführung: Zunächst startet eine erste Kohorte an Pilotschulen. Weitere Standorte können in den Folgejahren dazukommen.
Langfristige Perspektive: Ob und wie das Modell später ausgeweitet wird, hängt von den Ergebnissen des Schulversuchs ab.
Wissenschaftliche Begleitung – wir lassen die Ergebnisse sprechen
Der Schulversuch wird wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse werden veröffentlicht und bilden die Grundlage für politische Entscheidungen. Eine flächendeckende Einführung ist nicht vorentschieden – sie hängt davon ab, was der Schulversuch zeigt.
Zeitplan
Oktober 2026
- Bis 16. Oktober können Interessensbekundungen zur Teilnahme am Schulversuch an 6jVS@bmb.gv.at übermittelt werden.
- Ausschreibung der Schulversuchspläne durch das BMB
- Abstimmung an den Schulen hinsichtlich der Teilnahme am Schulversuch
ab November 2026
Umsetzungsvorbereitungen an den Standorten. Die teilnehmenden Standorte werden dabei vom BMB unterstützt.
September 2027
- Start des Schulversuchs in der 1. Kohorte, aufsteigend mit der 1. Schulstufe
- Laufende wissenschaftliche Begleitung des Schulversuchs sowie weitere Begleitmaßnahmen
September 2028
Start des Schulversuchs in der 2. Kohorte
Kontakt
Weiterführende Informationen
- Plan Zukunft: Warum wir Bildung neu denken müssen | BMB Bildungsmanifest
- Factsheet (PDF, 98 KB)
- Bildungsportal: Für die teilnehmenden Schulen wird es vertiefte Informationen am Bildungsportal geben.