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Geräteinitiative „Digitales Lernen“: das neue Modell

Wissenschaftliche Erkenntnisse und fünf Jahre Praxiserfahrung mit der Geräteinitiative in Schulen zeigen klar: Digitale Endgeräte entfalten ihren pädagogischen Mehrwert dann am besten, wenn Schulen sie altersadäquat einführen und gezielt in Unterricht, Lernkultur und Schulentwicklung einbetten.

Künftig erhalten Schülerinnen und Schüler ihr persönliches digitales Endgerät zu einem späteren Zeitpunkt. Damit erfolgt die Ausstattung in einer Altersstufe, in der viele Kinder bereits über stärker ausgeprägte Selbstregulationsfähigkeiten verfügen und digitale Endgeräte reflektierter, zielgerichteter und lernorientierter nutzen können. Gerade zu Beginn der Sekundarstufe I brauchen Schülerinnen und Schüler Zeit, um in der neuen Schulumgebung anzukommen. Schulen können dadurch in der 5. Schulstufe noch stärker auf die Bildung der Klassengemeinschaft, die Entwicklung sozialer Kompetenzen sowie die Orientierung in neuen Lern- und Organisationsstrukturen achten.

Vor diesem Hintergrund ist vorgesehen, die digitalen Endgeräte künftig im zweiten Semester der 6. Schulstufe auszugeben. Die neue Regelung gilt ab dem Schuljahr 2027/28; die erste Ausstattung eines Jahrgangs nach dem neuen Modell erfolgt ab Februar 2029.

Digitale Grundbildung

Parallel zur Umstellung der Geräteinitiative werden auch die Regelungen für den Pflichtgegenstand Digitale Grundbildung in den Stundentafeln der Mittelschule und AHS weiterentwickelt.

Die Gesamtstundenanzahl bleibt unverändert. Gleichzeitig erhalten Schulen mehr pädagogische und organisatorische Flexibilität. Dadurch können sie die Inhalte des Lehrplans besser mit dem neuen Ausgabezeitpunkt der digitalen Endgeräte abstimmen und Digitale Grundbildung gezielt auf den späteren persönlichen Geräteeinsatz vorbereiten.

Zeitleiste für die Umstellung der Geräteinitiative

Schuljahr 2026/27

Bisheriges Modell: Wintersemester 2026: Übergangslösung und letztmalige Ausstattung einer 5. Schulstufe

Neues Modell: Herbst 2026: Novelle des SchulDigiG

Schuljahr 2027/28

Neues Modell: Beginn des Schuljahres: Inkrafttreten der neuen Regelung

Schuljahr 2028/29

Neues Modell: Ab Februar 2029: erste Ausstattung eines Jahrgangs nach dem neuen Modell

Wissenschaftliche Evidenz für einen späteren Geräteeinsatz 

Das neue Modell stützt sich auf pädagogische und entwicklungspsychologische Erkenntnisse. Entscheidend ist nicht ein möglichst früher persönlicher Geräteeinsatz, sondern eine pädagogisch angeleitete, reflektierte und lernbezogene Nutzung digitaler Technologien. Im Bericht „How’s Life for Children in the Digital Age?“ (How's Life for Children in the Digital Age? | OECD) betont die OECD, dass digitale Technologien Chancen eröffnen, zugleich aber auch Risiken mit sich bringen. Besonders jüngere Kinder benötigen Begleitung, klare Regeln und Schutzmechanismen. Eine intensive Bildschirmnutzung bei Kindern unter zwölf Jahren kann Schlafstörungen, Bewegungsmangel und psychischen Belastungen zur Folge haben. Zudem steigt das Risiko für eingeschränkte soziale Interaktionen, Cybermobbing sowie die Entwicklung von Suchtverhalten.

Auch entwicklungspsychologische Perspektiven sprechen für eine altersadäquate Einführung persönlicher digitaler Endgeräte. Im Beitrag „Digitale Medien nutzen, um pädagogische Konzepte zeitgemäß zu gestalten“ von Wolters Kluwer wird darauf hingewiesen, dass sich komplexe kognitive Fähigkeiten wie eigenständiges Planen, Reflektieren und Problemlösen insbesondere zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr entwickeln. Diese Fähigkeiten bilden eine wichtige Grundlage für einen selbstgesteuerten und lernförderlichen Umgang mit digitalen Medien.

Die wissenschaftliche und praktische Evidenz spricht daher für eine Geräteausstattung in jüngeren Altersgruppen nur unter besonders eng gefassten pädagogischen Rahmenbedingungen. Jüngere Schülerinnen und Schüler profitieren besonders von klar strukturierten, eng begleiteten digitalen Lernsettings. Mit zunehmendem Alter steigt die Fähigkeit, digitale Endgeräte eigenständiger, verantwortungsvoller und zielgerichteter für das Lernen zu nutzen.