Science Clubs MINT
Wenn Schülerinnen und Schüler sich gegenseitig die Zukunft erklären
Ein Windrad, das tatsächlich Strom liefert. Ein Auto, das mit Wasserstoff fährt. Ein Racing-Cockpit mit VR-Brille und Kopfbewegungssteuerung. Und mittendrin: Schülerinnen und Schüler, die nicht nur selbst bauen und experimentieren, sondern ihr Wissen an Jüngere weitergeben. Genau das ist die Idee der Science Clubs – und im Schuljahr 2025/26 haben sie sie an sieben Standorten in ganz Österreich eindrucksvoll umgesetzt: in Wien, Wiener Neustadt, Linz, Salzburg, der Steiermark, Kärnten und Vorarlberg.
Lernen auf Augenhöhe
Was die Science Clubs von klassischem Unterricht unterscheidet, ist ihr Grundprinzip: Peer-Learning. Ältere Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II übernehmen die Rolle von Mentorinnen und Mentoren für jüngere Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I. Sie leiten Experimente an, erklären technische Zusammenhänge und geben ihr Wissen auf Augenhöhe weiter – nicht als Belehrung von oben, sondern als Austausch zwischen Gleichaltrigen und Peers.
Für die einen bedeutet das einen leichten Einstieg in MINT-Themen. Für die anderen heißt es: Verantwortung übernehmen, Wissen strukturieren und es verständlich vermitteln. Beide Seiten profitieren und ganz nebenbei werden genau jene Kompetenzen trainiert, die künftig zählen: Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation und Teamarbeit. Im Schuljahr 2025/26 wurde dieses Konzept in sieben Regionen weiter ausgebaut.
Die MINT-Projekte der Science Clubs im Schuljahr 2025/26
Wiener Neustadt: Drohnen über der Stadt, Wasser mitten im Zentrum
Wer beim Aerial-Junior-Wettbewerb dabei war, hat gesehen, was passiert, wenn Technologie auf Teamgeist trifft. Angeführt von der HTL Wiener Neustadt, aktuellem ECER-Sieger 2026, tüftelten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit dem Verein robo4you, den Mittelschulen Ebenfurt und Pitten, dem Gymnasium Gröhrmühlgasse und dem ORG an Drohnentechnologie. Parallel dazu holte das Jahresprojekt „Wasser.Wissen.Wiener Neustadt“ Naturwissenschaft mitten in die Stadt: Ältere Schülerinnen und Schüler bauten und betreuten Erlebnisstationen, an denen die 7. Schulstufe spielerisch alles rund um die Ressource Wasser entdecken konnte.
Kärnten: Bauen wie die Tiere – und wie die Profis
Wie bauen eigentlich Tiere? Und was können wir Menschen davon lernen? Im Science Club Kärnten, initiiert von der HTL Villach, ging es um genau solche Fragen – und um handfeste Holzbaupraxis. Ob im mobilen Science Club mit der Mittelschule Gegendtal oder im neuen HTL1-Co-Creation-Corner an der HTL 1 Klagenfurt: Schülerinnen und Schüler gestalteten Wohlfühlorte, bauten mit Holz und experimentierten in Time-Flow-Projekten quer durch Elektrotechnik, Maschinenbau und Mechatronik.
Wien: Wenn Robotik auf Kunst trifft
3D-gedruckte Getriebe, selbst gebaute Sensoren, gestickte Elektronik – am TGM und an der AHS Geringergasse dachten Schülerinnen und Schüler Robotik konsequent weiter: nicht nur als Wettbewerbsdisziplin, sondern auch als künstlerisches Ausdrucksmittel. Gemeinsam mit Mittelschulen entstand so eine enge Verbindung zwischen Mittelschule, AHS und HTL. Besonders wertvoll zeigte sich der co-kreative Zugang dort, wo Sprachbarrieren sonst eine Hürde wären: Gemeinsames Tüfteln verbindet, auch ganz ohne viele Worte.
Vorarlberg: Die Energiewende zum Angreifen
Ein selbst gebautes Windrad, das sich dreht. Ein Auto, das mit Wasserstoff statt Benzin fährt. Was oft abstrakt scheint, wurde in Vorarlberg konkret: Schülerinnen und Schüler der HTL Dornbirn und der HTL-Bregenz entwickelten gemeinsam mit Mittelschulen funktionierende Modelle grüner Energietechnik. Die Älteren gaben ihr Wissen zu Planung und Konstruktion weiter und machten die Energiewende für die Jüngeren im wahrsten Sinne des Wortes greifbar. Die MS Hörbranz entwickelte ein Programm an der Nahtstelle zur Volkschule.
Salzburg: Physik, die man spürt
Warum fliegt eine Rakete? Was hat Luftwiderstand mit Raumwahrnehmung zu tun? Im Science Club Salzburg, einer Kooperation von Mittelschulen mit der HTL Salzburg, wurden solche Fragen nicht erklärt, sondern erlebt: durch Bauen, Testen und wieder Verbessern. Ältere Schülerinnen und Schüler schlüpften in die Mentorinnen- und Mentorenrolle und vertieften dabei auch ihr eigenes Wissen. Die Kooperationsnetzwerke wuchsen weiter, ein neuer Materialpool steht den beteiligten Mittelschulen nun dauerhaft zur Verfügung.
Steiermark: Vom Suntracker zum Racing-Cockpit
Drei HTL, drei ganz unterschiedliche Zugänge: An der HTL Leoben ging es darum, unsichtbare naturwissenschaftliche Phänomene sichtbar zu machen. Die HTL Voitsberg baute einen funktionierenden Suntracker mit LEGO® SPIKE-Komponenten und eigenen 3D-gedruckten Teilen, um Photovoltaik greifbar zu machen. Und an der HTL Bad Radkersburg entstand ein Racing-Cockpit mit VR-Brille, Headtracking und ferngesteuertem Modellfahrzeug, bei dem sich virtuelle und reale Fahrdynamik überraschend nahtlos verbinden.
Oberösterreich: Robotik mit Wettkampfcharakter
Mit einer Techniktalente-Auftaktveranstaltung am Litec startete der oberösterreichische Science Club in ein intensives Schuljahr: Bis Weihnachten liefen Robotik-Workshops mit mehreren Gymnasien, Mittelschulen und einer Polytechnischen Schule in Linz. Am 24. März 2026 folgte der Höhepunkt: der Wettbewerb „Robotic Olympic District Linz“. Ob in der Mittelschule oder im Laborunterricht der HTL – die Jugendlichen arbeiteten mit realitätsnahen Industrieroboter-Anwendungen und Programmierung auf LEGO-Basis.
Wofür die Science Clubs stehen
Sieben Regionen, sieben ganz unterschiedliche Projekte – und ein gemeinsamer Nenner: Wenn Schülerinnen und Schüler Verantwortung füreinander übernehmen, entsteht mehr als nur Fachwissen. Peer-Learning und fächerübergreifende Projektarbeit wecken Begeisterung, vertiefen Gelerntes und stärken MINT-Kompetenzen, die weit über das Schuljahr hinaustragen. Kurz zusammengefasst, was die Science Clubs 2025/26 ausgemacht hat:
- Peer-Learning zwischen Sekundarstufe I und II als gemeinsames Grundprinzip
- Sieben Regionen mit jeweils eigenen thematischen Schwerpunkten – von Drohnen über Holzbau bis Wasserstoff
- Enge Kooperation zwischen Mittelschulen, AHS und HTL
- Neue Materialpools, Kooperationsnetzwerke und Co-Creation-Räume als nachhaltige Infrastruktur
Kontakt:
Klemens.Lichtenwoehrer@bmb.gv.at Abt. I/8