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Evaluierung zeigt: Quereinstieg bringt neue Perspektiven in die Schule

Wissenschaftliche Begleitung des Quereinstiegs in der Sekundarstufe abgeschlossen – 90% der Quereinsteigenden wollen im Beruf bleiben

Seit Herbst 2022 können Menschen mit Studium und beruflicher Erfahrung außerhalb des klassischen Lehramts über einen eigenen Zertifizierungs- und Qualifizierungsweg als Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger in der Sekundarstufe Allgemeinbildung tätig werden. Nun liegt die begleitende wissenschaftliche Evaluierung des Quereinstiegs vor. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Erfahrungen der Quereinsteigenden, die Perspektiven von Schulleitungen und Mentorinnen und Mentoren sowie die Frage, wie der Quereinstieg nachhaltig im Schulsystem verankert werden kann. Durchgeführt wurde das Forschungsprojekt im Rahmen einer Partnerschaft zwischen dem Bundesministerium für Bildung, dem Qualitätssicherungsrat für Pädagoginnen- und Pädagogenbildung (QSR), der Universität Zürich, der Pädagogischen Hochschule St. Gallen und der Pädagogischen Hochschule Luzern. Der Evaluierungszeitraum erstreckte sich von September 2023 bis Juli 2026.

Im Rahmen eines Medientermins präsentierten Bildungsminister Christoph Wiederkehr und Doreen Flick-Holtsch, Professorin für Gymnasial- und Wirtschaftspädagogik an der Universität Zürich, Ergebnisse der Erhebungen.

„Gute Schule lebt von Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Kompetenzen und Blickwinkeln. Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger stärken diese Vielfalt in unseren Klassenzimmern und bereichern damit den Schulalltag. Gleichzeitig ist klar: Wer neu in den Lehrberuf kommt, braucht eine gute Vorbereitung, Begleitung und Unterstützung. Die Evaluierung liefert uns dafür wichtige Erkenntnisse. Wir wollen den Quereinstieg dort weiterentwickeln, wo es sinnvoll ist, und damit sicherstellen, dass aus beruflicher Erfahrung auch langfristig nachhaltig pädagogische Qualität entsteht“, sagt Bildungsminister Christoph Wiederkehr.

Wissenschaftliche Begleitung von Anfang an

Quereinsteigende müssen ein abgeschlossenes Studium und eine mindestens dreijährige Berufstätigkeit vorweisen. Für die Zulassung zum Quereinstieg wurde ein eigenes, dreistufiges Zertifizierungsverfahren geschaffen. Dieses wird von der Zertifizierungskommission für den Quereinstieg (ZKQ) durchgeführt. Ergänzt wird das Verfahren durch ein pädagogisches Begleitkonzept: Dieses umfasst ein Online-Modul (MOOC) und eine Präsenzwoche vor Schulstart sowie einen Hochschullehrgang an den Pädagogischen Hochschulen begleitend zur Tätigkeit als Lehrperson. Die wissenschaftliche Evaluierung hatte zum Ziel, die Qualität und Treffsicherheit dieser Maßnahmen zu überprüfen und Hinweise für deren Weiterentwicklung zu gewinnen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Frage, unter welchen Bedingungen Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger langfristig im Schuldienst bleiben.

Erfahrungen von Quereinsteigenden, Schulleitungen und Mentorinnen und Mentoren

Im Rahmen der Evaluierung wurden unter anderem Quereinsteigende der Kohorte 2023/24 mehrfach während ihrer Ausbildung befragt. Im Mittelpunkt standen dabei die Erfahrungen mit den Induktionswochen, die Motive für den Quereinstieg, die Einschätzung der eigenen professionellen Kompetenzen sowie das Onboarding an den Schulen. Ebenso wurden die Perspektiven von Schulleitungen und Mentorinnen und Mentoren erhoben. An der Befragung der Schulleitungen beteiligten sich 575 Personen, an jener der Mentorinnen und Mentoren 291 Personen. Thematisiert wurden unter anderem die Bewertung des Quereinstiegs, mögliche Verbesserungspotenziale sowie die Chancen, die sich durch den Einsatz von Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern für Schulen ergeben. Darüber hinaus wurde erhoben, welche Bedeutung Unterstützung durch Schulleitung, Kollegium und Mentorinnen und Mentoren für den Einstieg in den Lehrberuf hat.

Ergebnisse der Befragungen

Die wissenschaftliche Evaluierung des Quereinstiegs in der Sekundarstufe Allgemeinbildung wurde von September 2023 bis Juli 2026 von der Universität Zürich sowie den Pädagogischen Hochschulen St. Gallen und Luzern durchgeführt. Rund 500 Quereinsteigende nahmen an mindestens einer der vier Erhebungen teil. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Arbeitszufriedenheit und Verbleibsabsicht von mehr als 90 Prozent. Rund 62 Prozent der befragten Quereinsteigenden unterrichten zumindest ein Fach, für das sie nicht zertifiziert sind. Zwei Drittel sind an Mittelschulen oder Polytechnischen Schulen, rund ein Fünftel an AHS tätig. Die Zusammenarbeit mit Mentorinnen und Mentoren wird von den Quereinsteigenden sehr positiv bewertet. Auch Schulleitungen nehmen die beruflichen Hintergründe und Erfahrungen der Quereinsteigenden überwiegend als Bereicherung wahr und beurteilen insbesondere deren Engagement, Flexibilität und Akzeptanz bei Schülerinnen und Schülern positiv. Gleichzeitig zeigt die Evaluierung Weiterentwicklungspotenzial – etwa bei der fachlichen Vorbereitung, der Unterstützung durch Mentorinnen und Mentoren sowie bei der Planbarkeit und Vereinbarkeit des Hochschullehrgangs.

Seit Einführung des Programms wurden bis September 2026 6.693 Zertifizierungen bei insgesamt 12.955 Bewerbungen ausgesprochen. Im Schuljahr 2025/26 waren 685 Quereinsteigende als Lehrkräfte an Schulen tätig; insgesamt haben seit dem Schuljahr 2022/23 2.365 Quereinsteigende als Lehrkräfte an Schulen begonnen. Damit stellen Quereinsteigende mittlerweile 11,9 Prozent der Neuaufnahmen im Schuljahr 2025/26 – rund 8 Prozent im Landes- und 20 Prozent im Bundesbereich.

Quereinstieg dauerhaft weiterentwickeln

Die Ergebnisse der Evaluierung sollen dazu beitragen, die bestehenden Qualifizierungs- und Begleitangebote gezielt weiterzuentwickeln. Dabei geht es insbesondere darum, jene Rahmenbedingungen zu stärken, die Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger beim Einstieg in den Beruf unterstützen und einen langfristigen Verbleib im Schuldienst fördern.

„Wir haben den Quereinstieg eingeführt, weil wir Menschen mit wertvoller Berufs- und Lebenserfahrung für die Schule gewinnen wollen. Jetzt schauen wir genau hin, was funktioniert und wo wir nachschärfen müssen. Bildungspolitik muss den Mut haben, neue Wege zu gehen – und gleichzeitig bereit sein, diese Wege wissenschaftlich zu überprüfen und auf Basis der Ergebnisse weiterzuentwickeln“, so Wiederkehr.

„Die von uns durchgeführte Evaluierung des Quereinstiegs Sekundarstufe Allgemeinbildung zeigt, dass der Einstieg für Quereinsteigende in den Beruf als Lehrperson insgesamt gut funktioniert, und eine entsprechende Professionalisierung stattfindet, die in den ersten Berufsjahren weiter ausgebaut werden sollte. Schulleitungen sehen im Quereinstieg gleichermaßen Potenziale und Herausforderungen.“, ergänzt Doreen Flick-Holtsch, Professorin für Gymnasial- und Wirtschaftspädagogik an der Universität Zürich

Publikation wird frei zugänglich

Die Ergebnisse der Evaluierung und die dazugehörige Publikation werden über den Qualitätssicherungsrat abgewickelt und im Waxmann-Verlag erscheinen. Sowohl die Publikation als auch die Evaluierungsergebnisse werden im Rahmen von Open Access kostenlos online zugänglich sein. Die Publikation enthält neben den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung auch Beiträge zum Zertifizierungsprozess der Zertifizierungskommission, zum Online-Assessment als zweiter Stufe des Zertifizierungsverfahrens sowie zur Entwicklung des Quereinstiegs in Österreich.

Quereinstieg wird bedarfsorientierter und weiterentwickelt

Ab Herbst 2026 wird der Quereinstieg in den Schuldienst noch stärker am tatsächlichen Bedarf der Schulen ausgerichtet. Dafür wird der bisherige Prozess weiterentwickelt: Statt eines zeitlich begrenzten Registrierungsfensters gibt es künftig eine Vorregistrierung mit anschließender Bedarfseinschätzung durch die Bildungsdirektion. Bei einer positiven Bedarfseinschätzung wird die Bewerbung für den Zertifizierungsprozess an die Zertifizierungskommission Quereinstieg (ZKQ) weitergeleitet. Fällt die Bedarfseinschätzung negativ aus, kann die für den Zertifizierungsprozess notwendige Vorregistrierung nicht abgeschlossen werden. Für diesen Fall stellt das Bundesministerium für Bildung umfassende FAQ zur Verfügung, die über weitere Möglichkeiten informieren. Auch bei den erforderlichen Unterlagen gibt es eine Neuerung: Neu ist eine Gegenüberstellung des Lehrplans des gewünschten Unterrichtsfachs mit den im abgeschlossenen Studium absolvierten Lehrveranstaltungen. Diese wird über die entsprechende Eingabemaske im Portal „Bewerbung Online“ eingereicht. Damit soll nachvollziehbar dargestellt werden, inwieweit die fachlichen Voraussetzungen für den angestrebten Quereinstieg erfüllt sind. Um Interessentinnen und Interessenten eine möglichst gute Orientierung zu geben, stehen auf den Websites des Bundesministeriums für Bildung und von „Klasse Job“ umfassende Informationen und FAQ zur Verfügung. Zusätzlich zeigt der Bedarfsrechner, in welchen Fächern bundesweit besonders gute Chancen auf eine bedarfsorientierte Zertifizierung bestehen. In Einzelfällen kann die Bildungsdirektion auch direkt Kontakt mit Interessentinnen und Interessenten aufnehmen, um den individuellen Bedarf zu klären.

Weitere Schritte ab 2027

Der Quereinstieg soll auch in den kommenden Jahren weiterentwickelt und dauerhaft im österreichischen Bildungssystem verankert werden. Geplant ist ab Herbst 2027 ein bundesweit einheitliches Curriculum für den Hochschullehrgang Quereinstieg Sekundarstufe Allgemeinbildung. Zudem soll die Dauer des Hochschullehrgangs von derzeit acht auf künftig fünf Jahre verkürzt werden. Vorgesehen ist außerdem, bereits im ersten Dienstjahr eine Mindestzahl an ECTS-Credits – derzeit stehen 16 ECTS im Raum – zu absolvieren. Eine zusätzliche „Onboarding“-Woche in den Herbst- oder Semesterferien soll den Einstieg in den Schulalltag erleichtern. Darüber hinaus sind ein Quereinstieg für die Primarstufe, die Weiterentwicklung der Zertifizierungskommission und des gesamten Zertifizierungsprozesses sowie weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Einstiegs geplant. Die entsprechenden Vorhaben stehen teilweise noch unter dem Vorbehalt der notwendigen dienstrechtlichen Änderungen.

Langfristiges Ziel ist es, den Quereinstieg nachhaltig und unabhängig von der jeweiligen Situation am Lehrkräftearbeitsmarkt zu verankern. Damit soll der Quereinstieg nicht nur in Zeiten eines akuten Lehrkräftemangels eine wichtige Möglichkeit sein, sondern dauerhaft Menschen mit unterschiedlichen beruflichen und fachlichen Erfahrungen für den Schuldienst gewinnen.

Fotos der Veranstaltung

Kontakt

Bundesministerium für Bildung
Manfred Kling, Mediensprecher
T +43 1 53120-5034
E-Mail: Manfred.Kling@bmb.gv.at